Donnerstag, 24. Mai 2012

Das dritte Rad

Vermutlich habe ich bereits erwähnt: ich ziehe das zweirädrige Bakfiets dem Lastendreirad aus verschiedenen Gründen vor. Durch die geringere Spurbreite nimmt man weniger Schlaglöcher mit. Auch das Durchfahren von Drängelsperren gelingt oft einfacher, manchmal kann man sogar Wege passieren, durch die kein Dreirad mehr passt. Und nicht zuletzt fahren die Zweiräder sich sportlicher.

Es gibt jedoch interessante Konzepte, die mich durchaus dazu bringen könnten, auch mal ein Dreirad zu fahren.

Zunächst konkurrieren bei Dreirädern - wir sprechen hier von Gefährten mit einem Rad hinten und zwei Rädern vorne - zwei Lenkungen. Gewöhnlich bewegt man die gesamte Transportkiste, was sich natürlich ganz anders anfühlt, als ein normales Fahrrad zu lenken, und zum Beispiel beim Auffahren auf Bordsteine  kann es sogar zum Problem werden, wenn man im falschen Winkel auf das Hindernis trifft. Dann ist viel Kraft gefordert, damit es einem die Lenkstange nicht entreißt.

Alternativ können beide Vorderräder wie beim Auto bewegt werden. Damit hält man einen echten Fahrradlenker in der Hand.

Ein solches Rad kann ich hoffentlich am Samstag an seiner Fertigungsstätte in Berlin begutachten: das Carryo.


Das Rad wartet zusätzlich mit einer nach oben öffnenden Schnauze auf - so können die kleinen Fahrgäste mit Leichtigkeit an Bord klettern. Damit nimmt das Rad in der Rangliste der Kinder mit Sicherheit den vordersten Platz ein.

Den anderen Kandidaten werde ich vermutlich nicht zu bald zu Gesicht bekommen: der "Front-End-Loader" von Onya wird in San Francisco gebaut.

Mit nur einem Sitzplatz ist das Rad eigentlich auch zu klein, aber anders als die Konkurrenz legt es sich in die Kurve und verspricht damit ein sehr sportliches Fahrverhalten trotz der drei Räder.

Und da San Francisco eine eher ungeeignete Topographie zum Radfahren hat, gibt es das Rad auch als E-Bike-Variante. Ohne die in der EU übliche Beschränkung auf 25 Stundenkilometer wird es damit zur echten Rakete.

Abgesehen davon, dass beide Räder leider nicht bei meinem Fahrradhändler um die Ecke zu kriegen sind, bräuchte ich wohl auch einen Sponsor oder einen Lottogewinn, um sie in meinen Fuhrpark aufnehmen zu können ...

Die Idee, ein Geschäft zu eröffnen und mit Lastenrädern zu handeln, schwebt schon länger in der Luft. Aber auch hier mangelt es nicht nur an Startkapital, ich müsste zudem auch in der Lage sein, Räder vernünftig zu reparieren. Und das gehört nicht unbedingt zu meinen Kernkompetenzen.

(Während ich dies tippe läuft im Hintergrund "Die Facebook-Story", also, vielleicht wird das Bakfietsblog ja das nächste große Ding ... HAHA)

Habt ihr auch fantastische Räder gesehen, gefahren, gefunden? Ich würde mich freuen, eure Erfahrungen hier zu teilen und eure Geschichten zu hören.

Schalten ohne Schalten

Mein Urban Arrow Bakfiets begeistert mich Tag für Tag. Wesentlichen Anteil daran hat allerdings auch ein Bauteil, das problemlos in jedes andere Fahrrad eingebaut werden könnte: die stufenlos schaltende NuVinci N360 Nabe.

In einem Werbevideo des Herstellers könnt ihr euch die Funktionsweise mal ansehen, die auf Überlegungen von Leonardo da Vinci zurückgeht - daher der Name.

Grau ist alle Theorie, bei der ersten Fahrt ist es zunächst ungewöhnlich, nicht durch ein Klicken auf den Wechsel in die nächste Fahrstufe aufmerksam zu werden. Anstelle der üblichen Nummerierung verweist ein kleines Piktogramm mit einem Radfahrer auf einer Linie auf die aktuelle Übersetzung: mal ist das orangefarbene alter Ego in der Ebene unterwegs, was auf eine hohe Übersetzung hinweist, mal meistert es einen steilen Hügel, was bei einer normalen Schaltung der erste Gang wäre.

Selbst moderne Nabenschaltungen sollten nicht unter Last geschaltet werden. Ganz ehrlich: ich habe noch nie darauf geachtet. Ich würde mich auch ziemlich stören, zu strampeln, dann kurz Pause zu machen, zu schalten und dann wieder in die Pedale zu treten. Bei Kettenschaltungen ist es umgekehrt: Schalten ist überhaupt nur während der Fahrt möglich.

Der NuVinci-Nabe ist es ziemlich egal, wann man die Übersetzung verstellt - von "schalten" kann bei einem stufenlosen Getriebe ja kaum die Rede sein. Einzig eine kleine Einschränkung gibt es: im Stand lässt sich die Übersetzung nicht über einen bestimmten Punkt verändern, weder vor noch zurück, was allerdings nicht zum Problem wird, da man schon bei der leichtesten Bewegung der Nabe sofort mühelos die gewünschte Einstellung wählen kann, beispielsweise schon beim Anrollen nach der roten Ampel, wenn man zuvor in einer hohen Übersetzung fuhr.

Hat man sich daran gewöhnt, in keinem spezifischen Gang mehr zu fahren, ist dem Fahrkomfort keine Grenze mehr gesetzt. Ich drehe zum Beispiel den Griff der Schaltung beim Beschleunigen langsam und kontinuierlich, so dass ich bei gleichbleibender Trittfrequenz beschleunigen kann.

An anderer Stelle hatte ich schon erwähnt, wie sehr es mich zwischenzeitlich nervt, auf mein normales Rad umzusteigen. Jedes mal, wenn mir bei meiner Shimano Nexus 8 Gear wieder mal ein Gang "durchkracht", sehne ich mich wieder auf mein Urban Arrow.

Ich habe noch niemals ein Rad mit hochwertiger Kettenschaltung besessen, und sicherlich gibt es Anwendungsgebiete, wo diese Art der Übersetzung unübertroffen ist. Für mich ist ein Fahrrad allerdings in erster Linie ein alltägliches Transportmittel, das insbesondere 365 Tage im Jahr der Witterung ausgesetzt ist - da ist eine Kettenschaltung absolut fehl am Platz.

In diesem Zusammenhang finde ich es zudem bedauerlich, dass bei vielen Pedelecs nur die Wahl zwischen Vorderradmotor und Nabenschaltung oder aber Hinterradmotor und Kettenschaltung besteht - hier stoßen wir unweigerlich auf eines meiner Hauptargumente für das Urban Arrow.

Wenn ihr also die Möglichkeit habt, mal eine NuVinci Nabe Probe zu fahren - mittlerweile gibt es zum Beispiel ein Hollandrad von Sparta mit dieser Schaltung - probiert es mal aus, es lohnt sich.

Dies zum Wochenende. Ich bin über Pfingsten in Berlin und hoffe, vor dem Karneval der Kulturen auch einen kurzen Abstecher zum Carryo machen zu können - fast das einzige Cargo-Trike, das meinen Vorzug für zweirädrige Lastenräder ins Wanken bringen könnte.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Schnelle Tour nach Kinderhaus



Heute Nachmittag bin ich kurz nach Kinderhaus gedüst, um einen Römer Lord Kindersitz abzuholen, den wir über www.kotenkram.de erstanden hatten.

Gedüst ist hierbei eindeutig der richtige Ausdruck, denn sowohl für Hin- als auch für Rückweg habe ich ziemlich genau je 20 Minuten gebraucht - und dabei gab es reichlich Standzeiten an roten Ampeln.

Auch interessant ist, dass beide Strecken ziemlich exakt sieben Kilometer lang sind. Ich hätte gewettet, dass insbesondere der Rückweg über die Hammer Straße länger wäre. Aus der Richtung kommend ist das in jedem Fall praktischer zu fahren.

Wer Kopfrechnen kann weiß jetzt schon: meine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 21 Stundenkilometer.

Auf dem Rückweg habe ich auf der Gasselstiege übrigens ein rotes Taga überholt. Auch das erste mal, dass ich eins in freier Wildbahn gesehen habe, hatte kurz überlegt, anzuhalten, mich als Bakfietsblogger zu outen und ein paar Fragen zu stellen, aber dann habe ich mich doch dem Temporausch hingegeben.

Donnerstag, 10. Mai 2012

In eigener Sache: Bakfietsblog, oh yeah!

Im März dieses Jahres habe ich das Thema Bakfiets aus meinem "Rundum"-Blog ausgegliedert, weil ich auf die Anschaffung eines neuen Rades - dem Urban Arrow - zusteuerte und die Artikel zu diesem Thema sich einer überdurchschnittlichen Beliebtheit erfreuten. Da erschien es mir logisch, diesen Schritt zu gehen. Mit der eigenen Domain www.bakfietsblog.de wurde das Paket dann noch plakativer verpackt.

Mittlerweile tummeln sich wirklich viele Leser auf diesen Seiten - immer vorausgesetzt, Google belügt mich nicht mit den Statistiken, die Suchbegriffe, über die das Blog erreicht wird, zeigen, dass die Leute hier nicht nur Informationen zum Gazelle Cabby oder anderen Lastenrädern suchen, sondern auch ganz gezielt auf der Suche "bakfietsblog" sind. Ein Indiz dafür, dass auch die Aufkleber auf meinem Urban Arrow Beachtung finden.

Da ich in der Werbung arbeite und und um die üblichen Konvertierungsraten solcher Projekte weiß, bin ich begeistert, dass ich wöchentlich Mails bekomme, in denen Fragen gestellt werden. Es freut mich immer, wenn ich weiterhelfen kann.

Gerne würde ich auch mehr über euch erfahren: wenn ihr schon Bakfiets fahrt, oder es vorhabt, schreibt mir davon. Am besten schickt ihr gleich Fotos eures Rades und einen Erfahrungsbericht mit, damit wir das unter dem Punkt "Kindertransporträder" sammeln können und so ein richtiges Archiv entstehen kann - denn irgendwann einmal soll das Bakfietsblog nicht nur der Ort sein, an dem ich über meine eigenen Ausfahrten berichte, sondern eine Anlaufstelle für alle Bakfiets-Interessierten mit hilfreichen Infos und Fakten.

Wem derweil der Sinn danach steht, seine Begeisterung auch auf der Brust zu tragen: Spreadshirt bietet im Monat Mai 15% Rabatt auf Kinderkleidung mit dem Gutscheincode "DREIKAESEHOCH". Wie es der Zufall so will, habe ich "Long John" und "Tricycle" im Angebot, aus organischer Baumwolle. Öko, wem Öko gebührt! 

Dienstag, 8. Mai 2012

Bad Vibrations

Seit einem Monat fahre ich jetzt Urban Arrow. Und ich bin begeistert.

Allerdings habe ich nach wie vor das Problem, dass bei hohen Geschwindigkeiten - und mit dem Elektromotor fährt man unweigerlich auch mal etwas schneller - das Vorderrad in Wallung kommt und zu vibrieren beginnt.

Verschiedenste Dinge habe ich daraufhin in Rücksprache mit dem Hersteller ausprobiert, vielversprechende Ansätze waren darunter, es gelang sogar, ein minimales Spiel in der Gabel des Vorderrades zu beseitigen, was die sehr gute Straßenlage des Rades nochmals verbesserte. Bei dieser Korrektur hatte ich die Box des Urban Arrow abgenommen, was durch Zufall auch noch dazu führte, dass das Rad bei Nässe nicht mehr quietschte - offenbar stand die Kunststoffbox vor der Demontage irgendwie unter Spannung, so dass sie bei Nässe gegen den Alurahmen rieb und quietschte.

Die Vibration im Vorderrad jedoch blieb.

Je stärker die Beladung der Box ist, desto höher ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass die Vibrationen ausbleiben. Transportiert man zum Beispiel eine Kiste Wasser, tritt das Problem nahezu gar nicht mehr auf.

Heute hatte ich ein interessantes Telefonat. Demnach ist das Problem kein Einzelfall und vermutlich auch nicht ohne weiteres zu beheben. Ich bin gespannt, wie es in dieser Sache weitergeht und welche Lösung am Ende gefunden wird.

Trotz dieses kleinen Wehwehchens stelle ich fest, dass ich mein normales Fahrrad - ein Kettler Alu Rad - kaum noch fahren mag. Natürlich fehlt hier die elektrische Unterstützung, aber auch in Sachen Sitzposition, Fahrkomfort, Verarbeitung, ist das Rad dem Urban Arrow meilenweit unterlegen.

Ich fahre fast ausschließlich mit dem Urban Arrow zur Arbeit (währenddessen parkt es dann gut sichtbar in der Innenstadt - hallo, Sponsoren?), und wenn ich dann mal alle paar Wochen doch wieder auf mein altes, normales Rad steige, wie zum Beispiel gestern Abend auf dem Weg zum Elternabend, halte ich es kaum aus. Vielleicht heißt es schon bald: Kettler Alu Rad, silber, zu verkaufen. Möchte wer?