Freitag, 15. Februar 2013

Beiwagen

Obwohl man es eher selten sieht, kennt ihn doch irgendwie jeder: den Beiwagen am Motorrad. Warum also nicht auch einen Beiwagen am Fahrrad? Die Firma Twinny Load - bisher bekannt für Fahrradträgersysteme - hat sich dieses Gedankens angenommen und hatte auf der FietsVak einen Prototypen dabei.

Beiwagen für ein Kind
Zunächst fiel mir etwas bei Material und Farbgebung auf: sehr große Ähnlichkeit zum Croozer Kid for 2 Anhänger. Die Stoffe, die Farben, die Laufräder sind identisch. Offiziell haben beide Gefährte freilich nichts miteinander zu tun.

kein Bodenkontakt
Aufgebaut ist der Einsitzer zunächst sehr clever: beide Räder können in zwei Positionen angesteckt werden, bei der Verwendung als Beiwagen wird das zum Fahrrad liegende Rad in die obere Verankerung gesteckt und hat so keinen Bodenkontakt.

Der Wagen lässt sich aber auch als klassischer Anhänger ziehen oder mit einem kleinen Vorderrad versehen als Kinderwagen schieben.

Dann kommt allerdings auch schon der ertste Haken: als Beiwagen verbindet sich das Gespann über eine Stange, die von der Front des Beiwagens in einem "U" unter das Tretlager des Fahrrads geführt wird und dort angeschraubt wird, vermutlich an die Schraube, die im Normalfall den Fahrradständer hält.

Auf dem Foto oben kann man ganz gut erkennen, wozu das führt: wenn man große Füße hat, läuft man schnell Gefahr, beim Treten das Gestänge zu treffen. Obwohl wir hier nur einen Prototypen sehen, liegt das Problem hier im System: weiter von den Pedalen kann sich das Gestänge ob des Vorderrads bei dieser Anordnung kaum entfernen.

[Nachtrag] Wie Uwe auf Facebook richtig bemerkte, wäre eine starre Verbindung zwischen Rad und Beiwagen sehr unpraktisch, da sich dann das Fahrrad dann nicht in die Kurve neigen könnte. Daran hat man aber offenbar gedacht, wie man auf dem Bild der Kupplung sieht.

Es könnte allerdings sein, dass man sich mit diesem Problem gar nicht weiter beschäftigen muss, denn so witzig die Idee eines Beiwagens für das Fahrrad erscheinen mag, so unpraktisch ist sie im Alltag, was nach ein paar Metern Fahrt sehr schnell deutlich wurde. Ich hätte ob der ungewohnten Breite schon nach wenigen Metern beinahe ein rotes Hollandrad am Nachbarstand umgenietet, und nun stelle man sich das erstmal auf einem der vielen schmalen Radwege, oder noch schlimmer, im Straßenverkehr vor.


Mich würde es daher nicht wundern, wenn es bei einem Prototypen bleibt. Witzig war es allemal. Eindrücke von meiner kleinen Rundfahrt (Fahrradfahren auf Teppich - ein Traum) gibt es hier:

Kommentare:

  1. Einen ähnlichen Seitenwagen gab es seinerzeit schon von Chariot. Zwei plus Zwei hat sich als Importeur damals aus Sicherheitsbedenken dagegen entschieden, den Wagen in Deutschland anzubieten.
    Ich denke, es gibt sicherlich schlauere Wege, um ein Kind mit dem Fahrrad zu befördern. Zum Lastentransport fände ich einen Seitenwagen aber cool. Ich hätte z.B. gerne einen für mein Kajak.

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    1. Meine spontane Idee war das ultimative Großfamilien-Rad: Urban Arrow mit zwei Beiwagen, einer rechts, einer links, und Anhänger. Das macht dann acht Kinder :D

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  2. Als ehemaliger Beiwagen-Motorrad-Fahrer muss ich mal sagen: Wo ist das Problem? Jedenfalls finde ich es unangebracht, dem System grundsätzlich seine Alltagstauglichkeit abzusprechen, nur weil man selbst bei einem ersten Versuch nicht damit klargekommen ist und beinahe einen Unfall verursacht hätte. Jedes der vielen verschiedenen Transportsysteme hat seine spezifischen Vor- und Nachteile.

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    1. Dem Fahrrad wird im Straßenverkehr allerdings von vornherein viel weniger Platz eingeräumt, mit dem Motorrad hingegen bewegen Sie sich auf breiten Straßen. Für Münsters Fahrradwege wäre dieses Ensemble in jedem Fall zu breit.

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  3. Das ist ja sicher so weit korrekt, aber in dem Artikel heißt es doch, dem widersprechend, "nun stelle man sich das erstmal auf einem der vielen schmalen Radwege, oder noch schlimmer, im Straßenverkehr vor". Und genau das ist doch, entschuldigen Sie bitte, letztendlich Unfug, denn gerade im "Straßenverkehr" (also auf der Fahrbahn) könnte dieses "Ensemble" seine bauartbedingten Eigenarten ausspielen.
    Der gezeigte Beinahe-Zusammenstoß mit dem roten Hollandrad hingegen ist ja wohl ausschließlich der mangelnden Aufmerksamkeit des Testfahrers zuzuschreiben.

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