Mittwoch, 27. April 2016

Bakfietstreffen 2016

Meine Reise zum Bakfietstreffen - der fünften Ausgabe des stetig beliebter werdenden Schmelztiegels europäischer Transportradkultur - war perfekt geplant, und dann kam doch alles anders.

Ein griechisches Transportrad aus Münster in Nijmegen

Es begann schon mit der Anreise. Der Samstag dient auf dem Bakfietstreffen traditionell der Konferenz, und da ich (noch) nicht plane, in die Transportrad-Logistik einzusteigen, reichte mir der Sonntag mit Bakfiets-Parade und anschließender Ausstellung.

Ich versuchte, wie im Vorjahr wieder mit Rainer von Traix Cycles anzureisen, was aber unmöglich erschien, da er schon Samstag fahren wollte. Also buchte ich mir ein Bahnticket, nur um dann eine Mitfahrgelegenheit von Uli vom Gelben U angeboten zu bekommen, die ich abschließend ausschlagen musste, da ich nun doch am Sonntag mit Rainer fuhr, der mir zudem ein Bullitt Clockwork lieh, damit ich die Bakfietsparade nicht zu Fuß begleiten müsse.

(Ich fuhr Bullitt, aber Hans Fogh fuhr ein Bakfiets.nl!)

Rosemary (aka Trojan) und Isortoq mit ihren Schöpfern Stefan und Oliver

Auf dem großen Markt in Nijmegen angekommen, versammelten sich schon bald die Transporträder. Es erschien mir, als seien es deutlich mehr und auch mehr unterschiedliche Räder, als in den Vorjahren.

Und dann der Auftritt von anywhere.berlin. Mit RSMRY-01 und ISORTOQ zogen sie mühelos alle Blicke auf sich, und ich freute mich, Oliver wieder zu treffen, den ich schon 2013 mal in Berlin besucht hatte, um mir sein Uma Zooma anzusehen. Davon gebe es noch sechs Stück, sagte er mir, und damit sei es das dann vermutlich gewesen.

Später auf dem Festivalgelände probierte ich beide Räder aus, und sie fahren sich großartig. Erst mal in Bewegung gesetzt, hat man das Gefühl, einen behäbigen Tanker zu lenken, dem sich einfach nichts in den Weg stellen kann. Und die zwei Motoren mit zusammen 6.000 Watt bringen die Räder derzeit noch mühelos auf Geschwindigkeiten jenseits der 50 Stundenkilometer. Um eine StVO-konforme Ausführung der Räder wollen sich die Macher irgendwann später mal kümmern ...

Douze mit Regendach

In der Folge galt mein Augenmerk dem Douze. Die clevere Rahmenkonstruktion ermöglicht es den Franzosen, so ziemlich jede Spielart im Antriebsstrang auszuprobieren. Mich reizte besonders die Kombination aus Pinion 12-Gang-Schaltung, Gates Carbon Drive und GoSwiss Drive Motor. Was soll ich sagen? Eine Wucht. Und eine äußerst elegante Lösung, denn eigentlich ist die Auswahl an Schaltungen für Pedelecs ziemlich gering.

Ein Mittelmotor bedingt eine Schaltung, welche die kombinierte Kraft von Fahrer und Motor erträgt, da bleiben eigentlich nur die NuVinci (teuer) und die Rohloff (sehr teuer). Ein Hinterradnabenmotor erzwingt eigentlich eine Kettenschaltung - die ich nicht ausstehen kann. Die (zugegeben noch etwas exotische, und ebenfalls teure) Pinion bietet hier also eine wirkliche Alternative.

Ziemlich stramm: Druckluft im Douze-Dach

Kein Geheimnis ist: hätte es das Douze 2012 schon in seiner heutigen Form gegeben, teilbar, mit Seilzuglenkung und vor allem einer Kinderkabine mit Regendach, wäre es bei mir vielleicht nicht das Urban Arrow geworden. Das Regendach kam für mich allerdings überraschend: noch letztes Jahr hatten Douze mir in Nijmegen erzählt, sie würden vermutlich niemals eines anbieten. Sag' niemals nie...

Aufpumpen bitte!

Das nun erhältliche Dach wird mit Klettverschlüssen seitlich rund um die Transportbox befestigt und hat Luft als tragendes Element: über Autoventile lassen sich eingenähte Hohlkörper aufblasen, die dann das Dach tragen. Im Camping ist das durchaus schon bekannt und wird erfolgreich praktiziert, auf dem Lastenrad könnte es sich als sehr praktisch erweisen, da man das Dach ohne Gestänge einfach zusammenlegen kann. Und stets eine Pumpe dabei haben ist nie eine schlechte Idee.

Erst sagen, man bietet gar kein Dach an, und dann so ein gutes raushauen...

Das Dach lässt sich von allen Seiten öffnen, etwa von vorn, um Frischluft durch ein Fliegengitter einströmen zu lassen, oder an den Seiten zum Ein- und Aussteigen.

Ich werde mich bemühen, mal ein Douze für einen längeren Test nach Münster zu bekommen. So ein bisschen liebäugele ich mit einer nicht motorisierten Version. Die Erfahrung, nicht nur mit unserem eigenen Urban Arrow, lehrt: Pedelecs sind im Vergleich zu klassisch angetriebenen Fahrrädern einfach noch sehr fehleranfällig, das gilt wohl für alle Rad- und Motorentypen.

Wenn ich mir ansehe, wie unser Bellabike zweieinhalb Jahre ohne Reparatur übersteht, oder auch das Gazelle Cabby damals drei Jahre ohne ungewöhnliche Schäden meisterte, ist die Sehnsucht nach ebenso einem beständigen Zweirad derzeit groß. Und die Teilbarkeit des Rahmens würde es uns ermöglichen, endlich auch regelmäßig ein Transportrad mit in den Urlaub zu nehmen.

Na sowas...

Und dann gab es ja noch das Bakfiets-Rennen. Ich hatte mich online angemeldet, aus Jux und ohne zu wissen, mit welchem Rad ich antreten würde, und schließlich wurde es Rainers Bullitt.

Zu fahren galt es einen Parcour unter der Autobahnbrücke. Zunächst ein Sprint geradeaus, um einen Brückenpfeiler herum, quer kreuzen und um ganz eng um den nächsten Pfeiler (oder aber in die Rabatten ausweichen), und dann die Ladezone. Hier galt es, einen Klappstuhl, eine leere Getränkekiste, einen Autoreifen und einen Fahrradreifen mitzunehmen.

Das alles passte in die kleine Wanne vorne auf dem Bullitt, da man allerdings zwei Runden zu fahren hatte, wäre es auch möglich gewesen, die Gegenstände auf die Runden zu verteilen.

Weiter ging es unter der Brücke hervor durch einen kleinen Slalom und im weiten Bogen zur Entladezone. Von dort über die Start- und Ziellinie und in die zweite Runde.

Isortoq ist geschlagen

Ich weiß ja nicht, ob ich das schon irgendwo erwähnt habe, aber das Unglaubliche geschah: ich trat im Zeitfahren gegen Isortoq von anywhere.berlin an - wir erinnern uns an 6.000 Watt Motorleistung. 10 Sekunden Zeitstrafe bekam Stefan dafür aufgebrummt, dennoch erschien das Duell bereits entschieden.

Aber der Kurs war eben keine lange Gerade. In der zweiten Runde konnte ich im Slalom innen an Isortoq vorbei ziehen, der vielleicht schon aufgrund seiner schieren Länge die Kurve zu weit ausfahren musste.

Es wurde nicht im KO-System gefahren, also blieb es mein einziges Rennen an diesem Tag und in der Tabelle landete ich auf Platz 8 von 16 Teilnehmern. Damit - wie mit dem Bakfietstreffen - bin ich einfach mal rundum zufrieden.

Wobei: der Urban Arrow Trailer war nirgendwo zu sehen. Es entsteht der Eindruck: mehr als ein Messe-Gag auf der Eurobike '15 war "meine Erfindung" nicht ... schade!

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