Montag, 25. Juli 2016

Wunschzettel Münster: Liebe Polizei

Nein, ich bin nicht gerade erwischt worden und schreibe mir jetzt akuten Frust von der Seele. Ich bin vor 35 Jahren in Münster geboren, fahre dementsprechend schon sehr lange Fahrrad in dieser Stadt und hatte noch nie das Gefühl, die Polizei wäre auf der Seite der Fahrradfahrer, so im Sinne von Freund und Helfer. Das wäre aber langsam Mal an der Zeit.

Erinnert ihr euch an die lustigen T-Shirts?

Nach allem, was ich mitbekomme, stellt es sich mir so dar: die Polizei Münster glaubt, alle Radfahrer in der Stadt seien vollständig wahnsinnig, und wenn es keine Polizisten gäbe, hätten wir auf den Straßen jeden Tag ein Blutbad. Mit jedem Semester würden neue Verrückte in die Stadt geschwemmt, die man schnellstmöglich zurechtweisen müsse, ansonsten stehe der Untergang kurz bevor.

Der Chef der Fahrradstaffel ist der Sheriff, ihm reicht nicht mal das normale Polizei-Fahrrad, für ihn muss es ein neongelbes Cube Mountainbike sein, damit er die suizidalen Studenten schneller von der Straße holen schützen kann.

An einem konkreten Beispiel möchte ich hier erläutern, warum ich mich von der Münsteraner Polizei eher schikaniert denn beschützt fühle.

Ich möchte gerne von Grün nach Orange

Im Alltag möchte ich relativ häufig vom grünen Punkt auf der Hammer Straße zur Südstraße. Ihr habt es erraten: am grünen Punkt befindet sich der Kaffeefreund, Münsters erstes Fahrradcafé, das aber mittlerweile eigentlich ein Piaggio Ape Café ist, aber nun.

Dazu habe ich drei Möglichkeiten:
  • Fahrt über den Sankt-Josefs-Kirchplatz und die Kronprinzenstraße
  • Fahrt über Dahlweg und Augustastraße
  • Fahrt durch den Südpark über den im Norden des Parks gelegenen Weg
Der beste Weg führt durch den Südpark - ist aber eine Ordnungswidrigkeit. Hier sind nur Fußgänger zugelassen.

Der zweitbeste Weg führt durch die Kronprinzenstraße. Hier haben wir allerdings auf der gesamten Strecke bis zur Südstraße ein Kopfsteinpflaster, das in einem derart desolaten Zustand ist, dass man sich um sein Fahrrad Sorgen machen muss. Es ist wirklich kein Vergnügen, dort zu Fahren, um ein vielfaches schlimmer als Beispielsweise in Münsters guter Stube, auf dem Prinzipalmarkt.

Es bleibt der Weg über Dahlweg und Augustastraße. Dies ist freilich der größte Umweg, den man in meiner Situation nehmen kann. Wir wissen um "Desire Lines" - der direkte Weg wird gewünscht.

In der Praxis hat sich ein Workaround ergeben: auf der Kronprinzenstraße fahren Radfahrer in beiden Richtungen regelmäßig auf den Gehwegen, um unversehrt durch die Straße zu kommen.

Die Polizei weiß das und möchte die Stadkassen füllen die Bürger schützen. Also versteckt sich mit ebensolcher Regelmäßigkeit ein Beamter hinter einer Hausecke am Sankt-Josefs-Kirchplatz und berechnet zehn Euro für das Fahren auf dem Gehweg.

Beliebtes Polizei-Versteck

Mal ganz abgesehen davon, dass mir nichts über einen Unfallschwerpunkt "Kronprinzenstraße" bekannt wäre: wollte die Polizei hier wirklich nur schützen, müsste sie sich doch eigentlich am Anfang und Ende der Kronprinzenstraße aufstellen und die Einfahrt der Radfahrer auf die Gehwege verhindern, oder nicht?

Die Polizei weiß auch, dass der Weg durch den Südpark bei Radfahrern sehr beliebt ist. Doch auch hier das gleiche Spiel: es wird nicht die Einfahrt in den Park verhindert, sondern es versteckt sich ein Beamter auf der Mitte der Strecke, um das Ordnungsgeld zu kassieren.

Beliebtes Polizei-Versteck 2

Auch hier ist mir noch nichts von schweren Unfällen zwischen Radfahrern und Fußgängern im Park zu Ohren gekommen. Mehr noch: die nördliche Route durch den Park ist auf gesamter Länge breit Genug für Autos und wird auch vom Amt für Grünflächen rege genutzt, die hier eine Liegenschaft haben. Es ist also genug Platz da, um einander auszuweichen.

Davon, dass die Polizei LKW bei der Einfahrt ins Stadtgebiet stoppt und sie auf die besondere Situation in Münster mit vielen Radfahrern aufmerksam macht, habe ich hingegen noch nie gehört. Wäre doch eine sehr gute Idee, die Beamten aus ihren Verstecken so umzuverteilen.

Das ist nur ein Beispiel aus meinem täglichen #Fahrradalltag. Ich werde die Situation in Münster in Zukunft hin und wieder mal aus meiner Sicht beleuchten und die Artikel dazu im Bereich "Münster" im Bakfietsblog sammeln.

Als nächstes wieder Lastenrad-Content, versprochen ;)

Kommentare:

  1. Wie recht du hast! Ich bin vor 2 Jahren nach Münster gezogen und hatte vorher nie negative Erlebnisse mit der Polizei. Jetzt in 2 Jahren gleich 3x geärgert. Die Details erzähle ich nicht, die man eh keiner überprüfen. Nur so viel: in Münster hat sich kulturell ein Verhalten bei Fahrradpolizisten entwickelt, das sich dringend ändern muss.
    Btw: gerne dürfen die Beamten auch Radwege von Hindernissen wie parkenden Kfz befreien.

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  2. Ich kann den Ärger ja schon verstehen, gerade wenn man als Radfahrer z.B. mitkriegt, wie Radwege immer wieder an den gleichen Stellen zugeparkt sind. Da wird scheinbar nichts unternommen. Mit Gehweg-Radlern habe ich allerdings kein Mitleid.
    Interessant finde ich das Thema Umweg. Das höre ich immer wieder (und man liest auch regelmäßig davon). Ich frage dann immer: "Wie viel Meter werden das sein? 300 oder 400 Meter mehr? Weißt du überhaupt, wie viel Zeit das kostet?" Die Sache wird m.M.n. immer deutlich übertrieben, so ein paar Meter merkt man gar nicht. (Es sei denn, man hat mehrere Ampeln o.ä. die zusätzlich zum Weg dazu kommen.) Und wenn die Polizei kontrolliert, ist man sogar schneller ;-)

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  3. Wäre doch schlimm, wenn man kein Geld mehr zum einsammeln hätte...

    "Geblitzt wird nur wegen der Verkehrssicherheit - sagen die Behörden. Das Beispiel Hessen zeigt nun: Den Behörden geht es offenbar doch nur ums Geld. Weil die Blitzer-Einnahmen ausblieben, werden laut einem Zeitungsbericht Warnschilder wieder entfernt." http://www.focus.de/auto/ratgeber/sicherheit/blitzer-warnschilder-werden-abmontiert-warnschilder-wirkten-kommunen-entfernen-sie-trotzdem_id_3612979.html

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