Montag, 5. März 2012

Gazelle Cabby - Dreijahrestest

Vorhin bin ich im Netz über einen Test des Gazelle Cabby gestolpert. Ich habe ihn nur überflogen, aber was mir schnell auffiel war: wenn jemand was zum Gazelle Cabby sagen kann, dann wohl ich. Schließlich fahre ich das Lastenrad seit über drei Jahren.

Das Gazelle Cabby ist ein Lastenrad vom Typ Long John, das heißt, es hat zwei Räder wie ein normales Fahrrad, nur ist das Vorderrad kleiner und nach vorn versetzt, zwischen Lenksäule und Vorderrad befindet sich eine tiefliegende Ladefläche, die je nach Nutzungsart verschieden gestaltet sein kann, in unserem Fall mit einer Box mit Sitzbank für den Kindertransport.

Ich habe mal ein Gerücht gehört, nachdem der niederländische Kronprinz Willem-Alexander seine Kinder in einer Bakfiets spazieren fuhr und damit deren Siegeszug – also den der Bakfiets, nicht seiner Kinder – in den Niederlanden einläutete. Das kann ich nicht überprüfen, verbreite es aber selbst gern weiter. Zumal es im Web tatsächlich Fotos des Prinzen auf einer Bakfiets gibt.

Das Cabby fährt sich hervorragend. Trotz des hohen Leergewichts von rund 38 Kilo macht es mir deutlich mehr Spaß, damit zu fahren, als mit meinem Kettler City-Bike. Das Cabby bietet den gewohnten Hollandrad-Komfort und die 7-Gang-Nabenschaltung ist sicher auch nicht fehl am Platz. 

An die nach vorn versetzte Lenkung hat man sich schnell gewöhnt. Sogar noch schneller, als ihr jetzt denkt. Über die Jahre haben mehrfach Passanten im Park oder sonstwo unterwegs gefragt, ob sie mal aufsteigen dürften, meist ungläubig, dass man mit dem Cabby überhaupt fahren könne, aber keiner von ihnen ist umgefallen.

Die Lenkbewegung wird durch eine Stange unterhalb der Transportkiste vom Lenker auf das Vorderrad übertragen. Die Stange schwingt dabei frei auf zwei Kugelkopfgelenken, was zu einem kleinen Problem führt: bei starken Lenkbewegungen schlenkert die Stange so stark, dass sie an den Rahmen stößt. An dieser Kontaktstelle kommt es schnell zu Lackschäden und in der Folge zu Rost. Allerdings ein oberflächliches Problem. Ich habe es gelöst, indem ich die entsprechende Stelle an der Lenkstange dick mit Gaffa-Tape umwickelt habe, um die Stöße abzufedern.

Bei der Transportkiste erntet das Cabby von mir ein dickes Plus, da diese mit ein paar netten Gimmicks aufwartet. Sie kann mit ein paar Handgriffen zusammengeklappt werden – so könnte man das Cabby auch durch eine enge Gartenpforte zum Parken schieben. Freilich sollten die Fahrgäste vorher ausgestiegen sein.

Darüber hinaus kann man die Kiste auch ganz abnehmen, dazu löst man einfach einen Schnellspanner an der Lenksäule und zieht die Box zu sich heran, so dass die Verbindung vom Rahmen, wo sie mit zwei Bolzen einrastet, gelöst wird. Zum Diebstahlschutz ist der Schnellspanner mit einem niedlichen Vorhängeschloss gesichert, welches von der Größe her eher an ein Poesie-Album passt und das bei mir ziemlich schnell verrostet war. Ich rechne allerdings auch nicht damit, dass jemand auch die Idee kommt, die Kiste zu klauen. Wer das Rad nicht kennt weiß eh nicht, dass die Box abnehmbar ist.

Die Kiste besteht aus einem Stahlrohrrahmen, der mit LKW-Plane bespannt ist. Das vermeidet ein paar unnötige Kilos gegenüber der Konkurrenz mit MDF-Platten und ist sicher schöner, als eine Plastikbox.

Für die Fahrt bei schlechtem Wetter gibt es ein optionales Regenzelt, das über zwei Zeltstangen, die an den Seiten der Box eingesteckt werden, gespannt ist. An den Zeltstangen sorgen im Auslieferungszustand kleine Stifte dafür, dass diese nicht tiefer als nötig in die Verankerung rutschen. Diese Stifte waren schon nach kurzer Zeit durchgescheuert, nach den Reaktionen auf einen Blogeintrag zu diesem Thema muss ich annehmen, dass das bei sämtlichen Cabbies der Fall ist und damit ein Konstruktionsfehler. Ich weiß nicht, ob bei den neueren Modellen das Problem gelöst ist, ich habe mir Abhilfe geschaffen, indem ich Schlauchschellen um die Stangen gesetzt habe und so das durchrutschen verhindere.

Das Dach selbst kommt in zwei Varianten, wobei eins von beiden eine Auswuchtung hat, damit ein in hoher Position montierter Maxi Cosi darunter Platz findet. Die Verarbeitung ist gut und das Dach hält dicht. Nach drei Jahren, in denen das Dach zwischen Herbst und Frühling im Dauereinsatz und das Rad durchweg draußen war, ist es immer noch gut in Schuss.

Der Frost hat dem Dach zuletzt allerdings arg zugesetzt, die durchsichtige Folie wird bei niedrigen Temperaturen schnell hart und ist tatsächlich an einer Stelle brüchig geworden. Ich würde allerdings sagen, dass diese Abnutzung nach drei Jahren draußen stehen bei Wind und Wetter hinnehmbar ist. 

Auf der Bank ist Platz für zwei Kinder, zum Anschnallen gibt es drei Paar Y-Gurte. Man kriegt zwar auch drei (zierliche) Kinder nebeneinander auf die Bank gequetscht, aber der dritte Gurt ist in Wirklichkeit dazu da, dass ein Kind alleine mittig angeschnallt werden kann. Meine Freundin legt Wert darauf, weil sie dann leichter fahren kann, ich selbst habe noch keinen Nachteil durch einseitige Beladung bemerken können. Vermutlich begünstigt das aber auch mein stabilisierendes Eigengewicht. *Ähem*

Im Rahmen der Box sind zwei Positionen vorgesehen, an denen eine optional erhältliche Maxi Cosi Halterung montiert werden kann. Die Montage ist etwas knifflig, aber sobald vollzogen außerordentlich praktisch. Bei der tiefen Montage hängt die Babyschale knapp über dem Boden der Transportbox, bei der hohen Montage etwas weiter zum Vorderrad und höher. Wir haben diese Position gewählt, weil so zusätzlich noch Einkäufe unter den Maxi Cosi passen. Die Babyschale selbst wird mit der gleichen Verbindung aufgesteckt, mit der sie auch auf den dazugehörigen Kinderwagen befestigt wird. Beim ersten mal ist auch das ein wenig umständlich, aber mit der Zeit wird der Mechanismus leichtgängiger und die Schale kann im Handumdrehen aufgesteckt werden. Ganz großes Plus hier: die Aufhängung ist beidseitig gefedert.

Über die Gangschaltung des Cabby braucht man nicht viele Worte zu verlieren, da ja heute sowieso fast ausschließlich Shimano Schaltungen verbaut werden, hat man das Gefühl. Sieben Gänge machen definitiv Sinn. Durchdacht ist auch, dass es keine Rücktrittbremse gibt. Das erlaubt es uns nämlich, das parkende Cabby durch Zurechtdrehen der Pedale und beherztes vorwärtstreten von seinem wuchtigen Ständer zu befreien. Gerade bei voller Beladung ist diese Hilfe gern gesehen. Um das beladene Rad auf den Ständer zu ziehen bedarf es dann allerdings ein wenig Kraft. Sobald es steht, steht es stabil.

Statt der Rücktrittbremse gibt es vorn und hinten Rollerbrakes. Die sind zwar unabhängig von jeglicher Witterung und nahezu wartungsfrei, sorgen allerdings auch für einen langen Bremsweg. Ich musste einmal direkt hinter einem Long Harry von Pedalpower bremsen, das mit Scheibenbremsen ausgestattet ist, da wurde der Unterschied extrem deutlich. Voll beladen gehen besser auch mal die Füße auf den Boden, um schnell in den Stand zu kommen. Das könnte und müsste besser sein.

Die Bereifung ab Werk war etwas seltsam mit besonders niedrigem Rollwiderstand. Theoretisch könnte das auf Kosten des Grip gehen, mir ist diesbezüglich aber noch nichts passiert. Nach etwa zwei Jahren waren die Wände des hinteren Mantels durch und der Mantel wurde komplett erneuert. Bei Glättegefahr ist das Cabby, wie jedes andere Zweirad, unter Umständen nicht mehr das richtige Gefährt.

Bei einem angeschnallten Sturz kommt das Kind in der Transportkiste zwar mit dem Schrecken davon, wünschenswert ist das aber natürlich nicht. Gazelle-typisch betreibt der Nabendynamo am Vorderrad nur das Vorderlicht, das Rücklicht läuft mit Batterie. Eigentlich bekäme sowas in Deutschland keine Straßenzulassung, aber es scheint den entsprechenden Behörden dann doch nicht so wichtig zu sein. Im Herbst war das Rücklicht mal durch eingetretenes Wasser kurzgeschlossen und über mehrere Tage ununterbrochen an. Das hat immerhin die vernünftige Laufzeit der Batterie bestätigt.

In den drei Jahren ist das Cabby unser täglicher Begleiter geworden und hat das Auto im Stadtverkehr mühelos ersetzt. Zeitweise sind wir sogar mit Croozer-Anhänger am Cabby gefahren, um die mögliche Zuladung ins unendliche zu steigern. Weihnachtsbäume, Balkonbegrünung inklusive der Blumenerde für acht Kästen, ganze Flohmarktstände, Picknicktisch und vier Klappstühle, nichts, was wir noch nicht transportiert hätten. Die Kinder finden die Fahrt in der – im sommer idealerweise offenen – Transportkiste großartig.

Immer wieder gerne veranstaltet wurden Rundfahrten im Park für die Freunde unseres Sohnes. Im Gegegsatz zum Anhänger reißt die Kommunikation mit den Kindern auch während der Fahrt nicht ab. Wenn der Nachwuchs allerdings anfängt, alles, was an Gepäck neben ihm in der Kiste lagert, während der Fahrt zum fahrenden Elternteil nach oben durchzureichen, empfiehlt sich noch ein Fahrradkorb, damit man die ganzen Geschenke hinter sich verstauen kann .

Soweit zum Cabby. Habe ich alle wichtigen Aspekte beleuchtet? Wenn nicht, stellt gern eure Fragen in den Kommentaren.

Euch hat dieser Artikel gefallen, vielleicht sogar weiter geholfen? Dann würde ich mich sehr über eine kleine Spende für's Bakfietsblog freuen, die es mir ermöglichen soll, auch in Zukunft Fahrräder auszuprobieren, zu Messen zu fahren, und und und ...

Kommentare:

  1. Hola....
    vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht....
    ich liebäugel schon länger mit nem Bakfiets, bin die Gazelle probegefahren (und erstaunt wie simpel das ist), und nu langsam fällt die Entscheidung zur Gazelle.....aber woher nehmen?!?
    Wird ja garnicht so häufig hier angeboten.......aber hier in der Nähe sind 2 Gazelle-Händler, da sollte ja jemand die Cabby besorgen können...

    mir juckt es so in den Fingern, ich will faaaaaaaaaaaaaaaaaahren!

    LG
    Jenni

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    1. Haben seit 2013 ein Cabby.
      Eigentlich lieben wir das Cabyy. Aber die Bremsen sind grauenhaft schlecht. Neulich wären wir fast umgenietet worden, als das Cabby trotz voll gezogener Bremsen einfach nicht zum Stehen kommen wollte. :-( Das ist lebensgefährlich!
      Ich lasse gerade die Bremsen (auf Garantie) tauschen.

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    2. Grundsätzlich bin ich sehr für Rollerbrakes zu haben und in der Theorie sollten sie auch recht wartungsarm sein. Wie viele km hattest du denn schon drauf? Die Bremskraft lässt (ohne Defekt ) ja nicht vom einen Tag auf den anderen so dramatisch nach. Nichts desto trotz freue ich mich, dass am UA die größte Ausführung der Rollerbrakes verbaut sind.

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    3. Tach auch, will auch endlich in die Bakfietsgemeide einsteigen und liebäugele mit dem Cabby. Sind die Bremsen wirklich soooo schlecht?? Manchmal habe Ich das Gefühl, das "Konkurenten" bewusst das Cabby schlechtreden.. Bin bereits ein Bullit probegefahren und musste feststellen das zumindest die Alfine Scheibenbremsen eine Katastrophe waren. Grüße Astarot.

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    4. Im Zweifel ja. Bei voller Beladung und bergab kommst du unter Umständen nicht durch Bremskraft alleine in den Stand.

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  2. Hallo,
    klasse Bericht, wir fahren seit 3,5 jahren Cabby mit Zwillingen im "Frachtraum", kann ich alles so bestätigen. Eine Schwachstelle hat das Rad denn doch: der Anschlag des Doppelständers verbiegt sich mit der Zeit durch die Anprallkräfte, wenn das Rad mit Last auf den Ständer gezogen wird. Abhilfe läßt sich nur durch ein aufgeschweißtes zusätzliches Flacheisen schaffen.
    Der Cabbytreiber

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    1. Ui, das klingt gar nicht gut. Ich kann über derartige Probleme allerdings nicht berichten (und ich bin nicht zimperlich, wenn es um die Beladung meiner Bakfietsen geht...) - einzig die beiden Federn, die den Ständer des Cabby in seine Positionen schnappen lassen sollen, sind bei mir über die Jahre schwergängig geworden.

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  3. Hallo Jan,

    vielen Dank für den ausführlichen Bericht.
    Mit einem Cabby werden wir zwar nicht glücklich (der Hang zum sportlichen Bullitt ist viel zu groß), aber die Kiste überzeugt mich in allen Details. Gerne würde ich die Cabby-Kiste mit dem Bullitt kombinieren. Leider finde ich nirgendwo die Maße der Kiste. Kannst du mir mit den Längen und Breiten an den oberen und unteren Kanten aushelfen?

    Schon im Voraus mit bestem Dank,
    Cornelius

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    1. Hallo - leider nicht mehr, da mein Cabby nicht mehr meins ist, sondern seit kurzem durch Hildesheim fährt. Sonst würde ich gern mit den Maßen aushelfen...

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    2. Danke dennoch. Dann werde ich mich anderweitig um die Maße bemühen.

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  4. Denke gerade ueber die Anschaffung des Cabby's nach. Es steht Cabby vs, Bakfiets.nl 1:1, endgueltige Entscheidung muesste bald mal fallen. Darf ich fragen warum du dein Cabby nach 3 Jahren verkauft hast? Kein Bedarf mehr oder was anderes?

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    1. Verkauft zugunsten eines Urban Arrow E-Bikes, das spielt eine Liga höher ;)

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  5. Wie schätzt du denn das Cabby im Vergleich zum klassichen Kistenrad ein (bakfiets.nl)? Das UrbanArrow ist ja um einiges teurer.

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    1. Zunächst mal ist das Urban Arrow natürlich teurer, da es ein Pedelec ist. Aber zu deiner Frage: als ich mir damals das Cabby kaufte, war es wesentlich günstiger als die Räder von bakfiets.nl - mittlerweile sind sie etwa auf dem gleichen Preisniveau angekommen. Da stellt sich die Frage, wie bakfiets.nl die Preisanpassung nach unten möglich machen konnte?
      Ich würde beide ziemlich gleichwertig einstufen, beim Cabby gefällt mir die Kiste besser - sie ist abnehmbar, LKW-Plane statt holz ist clever und die Sitzbank und die Gurte sind spitze. Dafür ist das Dach beim Cabby doof und so weit ich die aktuellen Modelle kenne hat Gazelle da eher noch verschlimmbessert mit einer Querstrebe im Zeltdachgestell. Hier das plus für bakfiets.nl - und von der Optik ist letzteres halt viel klassischer.

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  6. Wie groß können denn die beiden Kinder sein?

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    1. Bis 10 Jahre sollte von der Größe drin sein. Wenn die sich dann überhaupt noch fahren lassen wollen und nicht selber Rad fahren...

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  7. Wir haben im Urlaub das Rad gefahren und sind begeistert. Maxi-Cosi und zwei Kinder passen rein. Trotzdem lässt sich das Rad noch gut fahren. Sind ca. 40 km geradelt. Endlich mobil !!!!!

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  8. Dein Bericht bestätigt mich in unserer Entscheidung für das Cabby (das einzig Transportrad, das ich sofort sicher fahren konnte!). Jetzt steht aber noch aus: mit Tretunterstützung oder ohne? Wie hügelig ist es bei dir bzw. wieviele Kinder hast du transportiert? Da die Aufrüstung ca. 2000Euro kosten soll und damit mehr als das Cabby tue ich mich noch etwas schwer, aber habe Angst, es andernfalls nicht zu nutzen, weil ich nicht den Berg hoch komme (man soll es nicht denken, aber auch in Verona geht es bergauf!).

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    1. Gibt das Cabby jetzt offiziell mit Tretunterstützung, oder würdest du dir das von deinem Fahrradhändler nachrüsten lassen? Ich hab' das jetzt ein paar Mal gehört, finde aber keine Hinweise dazu online.
      Münster ist ziemlich flach, hier kann man mit zwei Kindern gut fahren. Auch mehr gehen, wenn einem ein Schnitt von rund 15km/h recht ist. Mit Motor ist man halt schneller (und/oder entspannter). Allerdings würde ich bei geschätzten 1.500,- für das Cabby und 2.000,- für die Motorunterstützung quasi dringend zum Urban Arrow raten. Vielfältige Gründe: Mittelmotor ist für mich die beste Option, einem Motor auf der Vorderradnabe in jedem Fall vorzuziehen. Das Urban Arrow sieht besser aus, hat bessere Bremsen, ein viel viel besseres Dach, es steht stabiler, hat Trittstufen für die kleinen Fahrgäste zum Einsteigen, ...
      Und wenn du das Cabby fahren magst, wird dir das UA auch gefallen.

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  9. Ich hatte befürchtet, dass du mir mit dem UA kommst ;-) Das mein Mann natürlich ebenso wie du auch viel stylischer findet als das Cabby... Das Problem: Ich bin am We in HH ein Bakfiets Cargo, ein Nihola, ein Bullitt und eben das Cabby probegefahren und das Cabby war das einzige, auf dem ich mich sofort sicher gefühlt habe (während ich mit dem Bakfiets leider die größten Probleme hatte). Nun sind wir zurück in Verona, wo Cargobikes genauso unbekannt sind wie Babyjogger, und der nächste UA-Händler sitzt in München. Würdest du es wagen, es blind zu bestellen? Ich hielt mich eigentlich für raderfahren und sportlich genug, um mit Lastenräder zurecht zu kommen, aber nach den Probefahrten mit den anderen Modellen bin ich verunsichert, habe aber auch keine Möglichkeit, in nächster Zeit nach München zu kommen. Denn auch wenn das Regendach für uns weniger ein Thema ist (weil es hier seltener regnet, dafür aber dann so heftig, dass ich das Rad eh in der Garage stehen lassen würde), finde ich die Bremsen und vor allem den Motor entscheidende Argumente. Der Händler in Hamburg hat uns angeboten, das Cabby aufzurüsten (mit einem Heinz-Motor wenn ich mich recht erinnere), aber mir wäre eine Motorisierung direkt vom Hersteller lieber, da ich als Laie mir vorstelle, dass die E-Nachrüstung eines Lastenrades doch etwas Erfahrung bedarf (die unsere Händler leider nicht hat). Wir haben bisher ein einjähriges Kind, aber es sind noch zwei gewünscht und ich möchte auch in der Schwangerschaft nicht aufs Radfahren verzichten, aber die Krabbelgruppe ist in den Hügeln und wer weiß, wo es uns in der Zukunft hinverschlägt (in den Norden ist jedoch leider unwahrscheinlich, auch wenn Skandinavien oder die Niederlande ganz oben auf meiner Liste ständen). Danke für deine Entscheidungshilfe!

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    1. Wir hatten eine Zeit lang Cabby und Urban Arrow gleichzeitig, und sogar als durch einen Kabelbruch der Motor des UA für zwei Wochen außer Betrieb war, bin ich lieber UA als Cabby gefahren, weil es für meinen Geschmack klar das bessere Rad ist. Auch die NuVinci Nabe lässt eine Shimano Nexus Schaltung einfach alt aussehen, ich hatte damals auch dazu gebloggt: http://bakfietsblog.blogspot.de/2012/07/urban-arrow-schlagt-cabby.html
      Zum Aufrüsten eines Fahrrads zum E-Bike sollte jeder Fahrradhändler in der Lage sein, da gibt es nicht viel zu tun, was er noch nie gemacht hätte: den Motor einspeichen - wie sonst jede andere Nabe auch, den Akku montieren und ein paar Kabel verlegen. Im Zweifel noch die Bremsen verkabeln, falls entsprechende Sensorik zum Paket gehört. Davon würde ich es also nicht abhängig machen. Aber: bei nahezu identischem Preis ist das Urban Arrow einfach die bessere Wahl.

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  10. Lieber Jan, du musst gar keine weitere Überzeugungsarbeit leisten, nachdem ich durch diverse Radblogs gesurft bin, bin auch ich dem UA verfallen ;-)
    Ich warte noch auf Antwort von UA, ob wir auch dort direkt bestellen können, andernfalls wäre auch ein Münchener Händler bereit, uns eins nach Italien zu senden. Eine Frage betr. die Bremsen ist geblieben: Reichen die standardmäßig vorgesehenen oder (wann) brauche ich die gg Aufpreis (215 Euro) angebotenen hydraulischen Scheibenbremsen?

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    1. Für meinen Geschmack reichen die Rollerbrakes vollkommen aus, die Bremskraft lässt sich besser dosieren als mit Scheibenbremsen, die Bremswirkung ist wetterunabhängig und ein besonderer Punkt bei Kindern: im Prinzip reicht eine fettige Kinderhand an einer Scheibenbremse aus, um die Bremse zu ruinieren. Und die Kinder fassen alles an ;) Solange du also nicht ständig mit zwei Zentnern steile Berge hinunter rast ...

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  11. Die letzten Kommentare sind jetzt schon eine Weile her, aber ich versuche es trotzdem mal: Ich bin seit ein paar Monaten in den Niederlanden und da insofern angekommen, dass ich mir ziemlich schnell ein gebrauchtes Cabby zugelegt habe. An sich bin ich damit auch ziemlich zufrieden (muss mir wohl aber noch das Regendach besorgen, sonst friert die Kleine in der Kiste doch etwas zu schnell). Ein Problem, das ich dann doch identifiziert habe ist, dass das Vorderrad recht schnell zu flattern anfängt, wenn es mal ein bisschen flotter wird. Ist das normal und ich muss damit leben oder lässt sich dem irgendwie abhelfen?

    Vielen Dank für mögliche Tips,
    Tilman

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    1. Moin! Das Problem hatte ich mit dem Gazelle Cabby nie. Du könntest mal überprüfen, ob die Lenkstange fest auf den Kugelköpfen sitzt und die Kugelköpfe kein Spiel haben, ob die Gabel kein Spiel hat, ob der Luftdruck im Vorderreifen stimmt - sollte nicht zu hoch sein.

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    2. Danke für die Hinweise!
      Der Luftdruck ist an sich schon recht niedrig, die Kugelköpfe schienen mir auch in Ordnung, allerding sieht das Gewinde in der Lenkstange etwas ausgeleiert aus: Auch wenn ich den Gewindestab fest reinschraube, bewegt er sich noch ein kleines bisschen. Mal sehen, ob ich das mit einer weiteren Mutter wegbekomme, ansonsten muss wahrscheinlich eine neue Lenkstange her.... die Freuden der Gebrauchtfahrradkaufs... :-/
      Viele Grüße

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  12. Hallo Jan,
    wir haben seit diesem Sommer auch ein Cabby und sind eigentlich sehr glücklich damit. "Eigentlich" deshalb, weil wir mit dem Regenverdeck alles andere als glücklich sind. Wenn das Regenverdeck drauf ist, kann man nicht mehr richtig lenken, weil der Lenker direkt an das Regenverdeck stößt. Einen Unfall hatten wir deswegen auch schon. ICh versuche jetzt Fahrten bei Regen zu vermeiden.
    Später habe ich in dem Fahrradladen ein Cabby mit Verdeck gesehen und da war das Problem genau das gleiche.
    Hast Du bei Deinem Verdeck etwas verändert, dass es passte? ODer hast Du von dem Problem schon mal gehört?
    Viele Grüße.

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    1. Oh weh! Nein, das Problem hatte ich nicht, und gehört habe ich davon auch noch nicht. Was habt ihr denn für einen Lenker - so weit ich weiß, gibt es das Cabby mit klassischem Hollandrad-Lenker oder aber mit Trekking-Lenker. In jedem Fall müsste sich der Lenker so einstellen lassen, dass er selbst voll eingeschlagen das Dach nicht oder nur leicht berührt.

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    2. Also ... ich hab direkt mal gegenüber bei den Nachbarn geschaut, die ein Cabby fahren. Überhaupt keine Berührung zwischen Lenker und Dach. Was ist da bei euch los - kannst du mir ein Foto schicken?

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    3. Hallo Jan,
      also ich habe jetzt ein Foto.
      Wie kann ich es Dir am besten schicken?
      Viele Grüße,
      Ellen

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    4. Ich habe gerade mal auf der Gazelle-Seite geguckt. Auf dem Bild mit Verdeck sieht es ähnlich wie bei uns aus.

      http://www.gazelle.de/kollektion/cabby-c7?type=ladies

      Ich nehme an, bei Euch sah es anders aus.

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    5. Ja wirklich schade, dass man hier keine Fotos in die Kommentare posten kann. Dennoch meine Vermutung: Lenker etwas höher machen. Er muss nicht oberhalb der Dachkante liegen, aber es sollte möglich sein, ihn so einzustellen, dass er das Dach nicht mehr berührt bzw. sich zumindest nicht mehr darin verhakt.

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  13. Hallo,

    überlege grade, ob ich statt dem Cabby ein Johnny Loco Transportrad Montana Negra kaufen sollte, 6kg leichter und 200 Euro teurer. Finde dazu aber keinerlei Test o.ä.im Netz. Gibt es hier dazu eine Meinung?

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    1. Abgesehen vom Design wüsste ich keinen Grund, das Johnny Loco dem Cabby vorzuziehen. Gazelle ist immerhin 'ne echte Fahrradfirma, Johnny Loco ein Modelabel mit Fahrrad im Programm ;)

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  14. Hallo,

    Ich bin wahrscheinlich einer der erfahrensten Nutzer eines Cabbys hier im Blog. Wir haben unseres zur Geburt unseres ersten Kindes gekauft, besitzen es inzwischen seit 8 Jahren und mitterweile sitzt das 3. Kind im Maxi-Cosi.
    Die meisten oben beschriebenen Erfahrungen kann ich teilen: Insgesamt fahre ich das Cabby immmer noch gerne und häufig, aber es hat ein paar Konstuktionsfehler:
    1. Wie oben schon oft erwähnt, sind die Bremsen unterdimensioniert. Das einzig postitive daran: Mit der Zeit gewöhnt man sich daran. ;-/ Man sollte halt nicht zu schnell fahren.
    Das bringt mich gleich zu Punkt 2.:
    Wie oben beschrieben hatte auch ich bei höheren (>25 km/h) Geschwindigkeiten und unbeladenem Korb das Problem, dass das Vorderrad zu flattern anfängt. Da die Bremsen für diese Geschwindigkeiten eh nicht gemacht sind, hab ich das Problem relativ einfach behoben: Nicht so schnell fahren ;-)
    3. Das Regenverdeck ist nicht so toll und zerlegt sich auch bei mir inzwischen in seine Einzelteile. (Die Pinne zum arretieren waren praktisch sofort abgebrochen, was nicht so stört, aber das Gummizugband hat inzwsichen auch seinen Geist aufgegeben, allerdings hält das Gestänge auch so. Probleme mit dem Lenken hatte ich nicht, allerings habe ich den Lenker auch relativ hoch eingestellt und viel Platz ist nicht zwischen Lenker und Regenverdeck.

    Wirkilich ärgerlich ist aber Punkt 4:
    Inzwsichen sind nach acht Jahren sowohl eine Halterung für die Sitzbank abgebrochen, als auch die Anschraubpunkte im Rahmen für die Maxi-Cosi-Halterung durchgebrochen. Ich habe dies jetzt bei meinem Händler reklamiert. Gazelle hat versprochen mir kostenfrei den kompletten Korb zu ersetzen. Warte inzwischen gespannt auf Ersatz.
    Hier noch ein Tipp für Gebrauchtkäufer: Habe an meinen Halterungen mehrere Haarrisse gesehen. Achtet bei Anschraubpunkten für die Maxi-Cosi-Halterung auf solche Risse, das scheint mir ein konstruktiver Schwachpunkt zu sein.
    5: Nicht sicherheitsrelevant aber ebenfalls unschön ist, das nach acht Jahren die Weichmacher aus der Kunststoffplane ausdiffundiert zu sein scheinen. Das macht die Plane mittlerweile realitv unansehnlich und sie fühlt sich "klebrig" an.
    6.: Noch ein Tipp für größere Fahrradfahrer: Der Rahmen ist eher für kleinere Personen konstruiert, ich bin selber 1,83 groß und kam mit der mitgelieferten Sattelstütze nicht klar und habe mir eine längere besorgt. Der Abstand zwischen Lenker und Sattel ist bei mir aber eigentlich immer noch zu niedrig. Bei deutlich größeren Personen sehe ich da Probleme. Die sollten auf jeden Fall eine längere Probefahrt machen.
    Nach all der Kritik möchte ich aber noch eine Lanze fürs Cabby brechen: Durch die Klappkiste ist es auf relativ kleinem Raum unterzubringen. Habe es jedenfalls geschafft das Cabby sowohl mit unserem Kombi (Vovo V70) als auch im Fahrradabteil unserer Regionalbahn zu transportieren. Das ist mit einer starren Holzkiste kaum denkbar (ich habe es nicht ausprobiert, war aber auch mit Faltkiste knapp genug, lasse mich aber eines besseren belehren.).

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    1. Hallo zusammen,

      ich fahre das Cabby jetzt noch nicht so lange, kann aber teilweise ergänzen und möchte teilweise widersprechen.

      ad 1) Die Sache mit den Bremsen ist mir noch nicht aufgefallen, ich konnte auch schon relativ voll beladen noch unachtsamen Fußgängern einen seitlichen Rammstoß ersparen. Ich glaube aber gern, dass Scheibenbremsen besser sind und muss zu all dem sagen, dass hier in Den Haag der schlimmste Hügel mal eine Düne oder Brücke ist, längere Bergabfahrten mit Bremsbedarf gibt es daher nicht.

      ad 2) Das ist für mich weiterhin der lästigste Punkt. Ich habe schon ein bisschen mit mehr oder weniger Luftdruck im vorderen Reifen gespielt und die Schrauben des Lenkgestänges samt Kontermuttern fest angezogen, allein... Dabei ist mir aufgefallen, dass es lange nicht nur von der Geschwindigkeit abhängt, gerade bei unebenem Straßenbelag (Pflaster) fängt es oft schon bei viel niedrigeren Geschwindigkeiten an. Wenn man dagegen, z.B. wegen Seitenwinds, die Lenkung ein bisschen auf Zug halten muss, scheint es wieder stabiler zu werden.

      ad 3) Den Kritikpunkt am Regenverdeck kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe meines allerdings jetzt ganz neu gekauft und vermute insofern, dass die Kosntruktion verbessert wurde. So verhindern mittlerweile Verdickungen im Gestänge, dass dieses weiter in die Führungen rutscht.

      ad 4) Kann ich bestätigen, zumindest das mit der Halterung für den Sitz, an der MaxiCosi-Aufnahme war ich noch nicht dran.

      ad 5) Plane gibt's als Ersatzteil für 120€... ;-)

      Und ansonsten: Ich habe das Cabby gebraucht gekauft (abgeholt in einem Peugeot 206... der Kofferraumdeckel ging nicht ganz zu) und an sich war es für den Zustand eher zu teuer, Plane teilweise aufgescheuert, Ständer verrostet, Schaltung etwas hakelig, etc. Das sind aber alles Dinge, die sich mit etwas Eigenarbeit noch recht günstig erledigen lassen sollte. Wenn sich das auch über das Lenkerflattern sagen ließe, wäre ich rundum zufrieden.

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  15. Ich habe eine Frage. Ich habe mir heute eine Gazelle Cabby zugelegt und mich würde interessieren welchen Zweck die Lenkradsarretierung hat? Klar, ich kann nur das Lenkrad bewegen, wenn ich "offen" gedreht habe. Aber wozu braucht man den "geschlossen" Modus.

    Danke für die Antworten!

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    1. Ganz ehrlich: ich weiß es nicht. An einem normalen Hollandrad macht das durchaus Sinn (damit das Vorderrad sich nicht zur Seite drehen kann, wenn das Rad auf dem Ständer steht), ich vermute daher, dass es ein Standard-Bauteil für Gazelle ist, dass einfach auch am Cabby verbaut wurde.

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    2. Alles klar. Danke für die schnelle Antwort. Dann werde ich mich daran einfach nicht weite stören :-)

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