Montag, 27. April 2015

Bakfietstreffen 2015 Teil III: Mit Charme

Anfangs verkauften Boxer Cycles aus Poole in Dorset chinesische No Name Transporträder, aber die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen und vor allem britischen Modellen ließ nicht lange auf sich warten. Also bauten sie zunächst einfach das fernöstliche Modell nach - zum verwechseln ähnlich, jedoch aus Aluminium. Und dann wurden sie kreativ.

Boxer Rocket und Boxer Cargo

Vielleicht liegt es daran, dass das Fahrrad in England (noch) nicht so sehr Teil der Alltagsmobiliät ist, sondern eher ein Fahrzeug für den Wochenendausflug, vielleicht hat man bei Boxer Cycles aber auch einfach Weitblick für einen entscheidenden, nächsten Schritt: praktische Transportradlösungen gibt es mittlerweile sehr viele, aber was insbesondere das Boxer Rocket auf die Straße bringt, ist ein richtiges Spaßpaket.

Markante Front: Boxer Rocket
Ich möchte mich gar nicht damit aufhalten, welche Komponenten des Rocket in Deutschland keine Straßenzulassung bekämen (und da in Münster der Radverkehr häufig kontrolliert wird, ist das durchaus relevant...)

Der massive Rahmen aus doppel-T-Profilen wirkt unendlich schwer, dank Aluminium und der ausgefrästen Löcher bleibt das Rocket aber vom Gewicht im Rahmen vergleichbarer Dreiräder.

Die gewölbte Front mit dem großen Scheinwerfer sieht nicht nur schick aus, sondern ist auch ein geräumiges Staufach, dass durch eine abschließbare Klappe aus dem Innenraum der Box erreichbar ist. Mindestens vier (Kinder-)Fahrradhelme sollen hinein passen, oder eben Proviant für ein ausgiebiges Picknick.
Rechts und links hat die Rakete Flügel - wie soll der Flug ins All auch sonst klappen? Im "normalen" Straßenverkehr übernehmen sie den Job des "Fahrtrichtungsanzeiger". Über einen Griff am Lenker schaltet man nicht nur das Licht an und aus, sondern kann auch blinken.

Die beiden gepolsterten Sitzbänke lassen sich zur Liegefläche zusammenschieben. So kann der Mittagsschlaf auch direkt im Fahrrad stattfinden. Da zwischen den einzelnen Polstern aber ziemlich große Lücken bleiben, sollte man vielleicht doch noch eine Decke reinlegen. Wobei mein Sohn Julius auch schon mal auf dem Boden des Gazelle Cabby geschlafen hat - Kinder sind da vielleicht etwas anspruchsloser als wir Erwachsenen...

Schiebt man die vordere Bank in die Liegeposition, hat man Zugriff zum "Handschuhfach"

Die Seitenwände und der Rand der Box sind farblich auf die Sitzpolster abgestimmt mit Stoff bezogen. Ein Regendach gibt es auch noch, und auch hier passen Stil und Farbe perfekt zusammen.

Große Gucklöcher

Auf dem Testparcours konnten Rocket und ich allerdings nicht in dem Maße Freunde werden, wie es die Optik vermuten ließ. Ihr wisst ja vielleicht schon, dass die Drehschemellenkung nicht zu meinen Favoriten zählt. Aber auch hier gibt es bessere und schlechtere. Zum Beispiel kann man durch die Neigung der Drehachse dafür sorgen, dass der Rahmen beim lenken ein wenig in die Kurve kippt und so der Fliehkraft ein wenig entgegenwirkt - das fehlt hier leider.

Außerdem ist der Lenker für meinen Geschmack deutlich zu schmal geraten, und das in zweierlei Hinsicht: zum einen greifen beide Hände zu nah beieinander an die Lenkstange, zum anderen ist der Platz für jede Hand sehr beengt. Schaltung, Bremsen, Lichtanlage und Blinker, Motorsteuerung und Display fordern einfach zu viel Platz.

Zuletzt ist das Rocket kein klassisches Pedelec, sondern ein E-Bike? Der Unterschied: bei letzteren kann der Motor dem Fahrrad alleine Vortrieb leisten, bei ersterem unterstützt er nur beim Treten. Entsprechend befindet sich auf dem Lenker ein Gasgriff, mit dem die Geschwindigkeit gesteuert werden kann - und einen Soundgenerator haben sie auch noch unter die Sitzbank gepackt.

Ja, tatsächlich: das Boxer Rocket macht Geräusche, irgendwas zwischen Toy Train und Düsenjet. Was den Kindern sicherlich zunächst Spaß macht, wird unweigerlich nervig - wer von uns Eltern hat noch nicht heimlich die Batterien aus einem sagenhaft lauten Spielzeug genommen...?!

Jedoch: Boxer Cycles ist eine Manufaktur. Alle Teile des Rades werden in Dorset hergestellt und montiert. In sofern kann da sicherlich den Wünschen jedes einzelnen entsprochen werden. Und so ist die Rakete vielleicht der Anfang eines neuen Trends, das Bonanzarad unter den Transporträdern, wenn man so will.

Kommentare:

  1. lustiges Teil, wenn auch nicht wirklich durchdacht. Was ist denn das zweite Boxer Cycle welches man im ersten Foto sieht für ein Rad. Sieht wie eine überdimensionale Brotlade Box aus.

    "Vielleicht liegt es daran, dass das Fahrrad in England (noch) nicht so sehr Teil der Alltagsmobiliät ist" - Dem muss ich widersprechen, das Rad ist sehrwohl in England teil des Alltags, man sieht dort massenhaft Commuter die damit täglich in die Arbeit fahren. Was jedoch nicht vorhanden ist sind Lastenräder, aber das hat vermutlich mit dem Platzmangel zu tun. Mit einem Fixie kann man sich eben doch leichter zwischen zwei roten Doppeldecker Busen durchzwengen...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das mit der Brotbox trifft es ganz gut. Ansonsten danke für deine Einschätzung. Was ich bislang so hörte, klang anders, bezog sich allerdings auch nicht auf London. Mein Austauschschüler (vor langer Zeit) konnte nicht Fahrrad fahren, er war 16 und kam aus York. So was ist für einen Münsteraner natürlich schwer vorstellbar.

      Löschen