Montag, 7. September 2015

Lovely Livelo

Schweden, die Heimat der preiswerten Möbel zum Selbstzusammenbauen. Aus Stockholm kommt ein neues Lastendreirad, das für alle die sehr interessant sein dürfte, denen das Nihola nicht sportlich genug ist.

Geschlossene Box
Seit 2012 in der Entwicklung, hat es Mats Porle, Gründer von Livelo in diesem Jahr zum ersten Mal auf die Eurobike geschafft. Es habe länger gedauert, als erwartet, gibt er gerne zu - aber das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Die Geschichte ist im Grunde einfach erzählt: einst fuhr er seine eigenen Kinder in einem Nihola Family durch Stockholm, und mit der Zeit entdeckte er Dinge, die er gerne anders hätte. Schließlich stand der Entschluss fest, ein eigenes Transportrad zu bauen.

Mats vermisst das Livelo, Lars von Traix macht sich Notizen

Besonders wichtig war ihm die Sicherheit seiner Fahrgäste. Daher hat das Livelo eine sehr tiefe Sitzposition, der Rand der Transportkiste dürfte auch Grundschulkindern mühelos noch bis zur Schulter reichen. Und darüber hinaus schützt eine Art Überrollbügel.

Der Sitz ist dabei gleichzeitig der Deckel der Transportbox. Öffnet man diesen per Reißverschluss, kann die Plane mit zwei Klickverschlüssen an den Seitenwänden der Box eingehängt werden und wird zum bequemen Sofa für zwei Kinder, aus einer Lasche am Kopfende lassen sich zwei Anschnallgurte hervor zaubern.

Leeres Livelo in Friedrichshafen

Die Sitzposition des Fahrers ist im Vergleich zum Nihola deutlich sportlicher. Das trägt allerdings nicht nur dem Geschmack des Erfinders Rechnung, sondern sorgt auch für eine bessere Gewichtsverteilung zwischen Hinterrad und Vorderrädern und soll das Fahrverhalten positiv beeinflussen.

Die Testfahrt rund um die Messehallen bestätigt das Konzept: auch bei dank Motor mühelos erreichten 25 Stundenkilometern läuft das Livelo wunderbar geradeaus, nahezu perfekt wird das Fahrgefühl mit etwas Gewicht in der Box.

Batterie und Steuerungselektronik hinten an der Box

Vortrieb leistet dem Livelo neben der Muskelkraft des Fahrers ein Shengyi Motor. Der Macht einen guten Eindruck und war auf der Eurobike durchaus häufiger zu sehen, allerdings ermöglichen die paar Kilometer Teststrecke nur einen kleinen Vorgeschmack, Langzeiterfahrungen mit diesem Motor fehlen mir.

Fest steht: vorerst gibt das Livelo aufgrund der Nachfrage ausschließlich mit Motor zu kaufen, eine unmotorisierte Version ist gar nicht im Angebot.

Kleiner Ständer gegen Kopfnicken



Wenn kein Fahrer im Sattel sitzt, kann es ratsam sein, einen kleinen Ständer vorne am Livelo auszuklappen - so verhindert man, dass das Rad bei Kopflast nach vorne kippt.

Das Livelo hat eine Achsschenkel-Lenkung (auch Ackermann-Lenkung genannt), das heißt, beide Vorderräder werden gelenkt. Das sorgt für einen etwas größeren Kurvenradius als bei alternativen Lenkungen, beim normalen Fahren fällt das allerdings nicht ins Gewicht.

Fahren macht Spaß, Fahrt nur ungern zum fotografieren unterbrochen ;)
Nachdem ich das Messegelände in Friedrichshafen mehrfach umrundet hatte, nahm Lars von Traix für einen Runde mit Gewicht im Livelo platz. Das Rad ist wirklich flink unterwegs und läuft mit Gewicht phänomenal geradeaus, mit leerer Box bleibt ein letztes, leichtes Flattern und das Bedürfnis, doch lieber beide Hände am Lenker zu lassen. Nichts jedoch, was ich als bedenklich einstufen würde.

Aktuell in Schwarz, Rot und Blaugrün erhältlich, füllt das Rad mit seiner sehr auf Sicherheit der Fahrgäste bedachten Transportbox, der guten Ausstattung und sportlichen Fahrposition eine Nische oberhalb des Nihola Family.

Ein Regenverdeck wird es in Kürze geben, die Montage dürfte denkbar einfach werden: da die Überrollbügel sich bereits über Kopfhöhe der Kinder befinden, wird es einfach eine Folie geben, die über den Rand der Box und der Bügel gespannt wird, nach hinten und zu den Seiten bleibt die Box dann offen.

Ein Transportrad, das mir rundum gefällt. Kommt auch in meinen virtuellen Fuhrpark.

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