Dienstag, 7. August 2012

Riese und Müller load hybrid

Vergangene Woche erhielt ich eine Mail von Helmut mit dem Hinweis auf ein neues Lastenrad. Dann saß ich in Bad Homburg im Kurpark, und ein Klapprad von Riese und Müller fuhr an mir vorbei. Dann verfluchte ich mein Android-Smartphone und wartete wohl oder übel auf den folgenden Montag, wenn mir wieder DSL zur Verfügung stünde.

Danke für den großartigen Tipp, bei dem besagten Rad handelt es sich um das "load hybrid" von Riese und Müller, und damit um deren Einstieg in den Sektor der Lastenräder. Bislang hat man sich dort eher mit Falträdern einen Namen gemacht, allerdings - was man so liest - einen guten.

load hybrid - (c) riese und müller
Mediengestalter, wie ich einer bin, kriegt man mich ja immer gut über Design. Und da macht das load hybrid eine außerordentlich gute Figur, wenn ihr mich fragt. Insbesondere die nach vorne abfallende Linienführung über den ganzen Rahmen hinweg lässt das Rad schnittig daher kommen.

Auf dem Tretlager ist ein Bosch Motor verbaut. Optisch finde ich es ein wenig seltsam, dass die Verkleidung so weit über den Rahmen hinaus ragt, es scheint aber durch die Bauform des Motors bedingt zu sein. Der Daum Motor im Urban Arrow ist zum Vergleich rundum mit dem Rahmen verschraubt, was ihn gleichermaßen weniger seltsam, aber auch den Rahmen ungemein wuchtiger aussehen lässt.

Was das Bild nicht verrät, ist, dass das Rad bei Markteinführung auch mit einer NuVinci 360 Nabe angeboten wird. Über letztere habe ich hier nun schon genug geschwärmt, warum das Rad dann überhaupt noch mit einer 10-Gang-Kettenschaltung angeboten wird, muss ich nicht verstehen - vermutlich hat es was mit Kosten zu tun, oder (vermutlich, Jan, vermutlich) aber es gibt Leute, die einfach auf Kettenschaltungen stehen :D

Auch gut: Scheibenbremsen vorne und hinten. Ich nehme das Urban Arrow ja immer gern für seine Roller Brakes in Schutz mit dem Einwand, dass ein All-Day-Draußen-Rad witterungsunabhängige Bremsen braucht, aber dennoch ist unbestritten: eine Scheibenbremse bremst härter und besser. Wenn sie dann noch hydraulisch betrieben wird, ist quasi die höchste Ebene des erlesenen Anhaltens erreicht.

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal unter Lastenrädern ergibt sich aus der Firmenphilosophie des Herstellers: das Rad ist voll gefedert. Dazu noch Ballonreifen - das Ding muss sich eigentlich fahren wie auf Watte, würde ich sehr gerne mal ausprobieren.

Die Federung ist auch ein echter Pluspunkt, wenn es um die Beförderung von Kindern geht. Da allerdings scheint mir noch Luft nach oben: die Ladefläche ist vergleichsweise Kurz geraten, und derzeit ist noch nicht ersichtlich, ob es überhaupt eine Lösung für den Kindertransport geben wird. Eine aufsetzbare Kabine ähnlich wie bei Pedalpower wäre vorstellbar, allerdings ist die Ladefläche des Long Harry um einiges länger als die des load hybrid.

Kindertransport? Wirklich?
Denn mal ehrlich: so, wie hier dargestellt, wird dann doch eher keiner sein Kind mitnehmen. Da kann sich der kleine Racker den Helm auch gleich sparen - eine Sitzbank und ein Anschnallgurt stünden ihm da besser...

Das load hybrid kommt allerdings erst 2013, ich bin sehr gespannt, was sich bis dahin noch tut, und hoffe darüber hinaus, dass sich das Bakfietsblog bis dahin zu einer derartigen Instanz im Lastenrad-Genre aufgebläht hat, dass ich kostenlos bemustert werde. Ähem, nun ja, man wird ja mal träumen dürfen.

Freitag, 20. Juli 2012

Kopenhagen

Wie bereits angekündigt, war meine persönliche Lieblingskorrespondentin in Kopenhagen unterwegs und hat exklusiv für's Bakfietsblog ein paar Lastenräder fotografiert.

Sorte Jernhest
Besonders interessant für mich dieses Modell: anders als üblichen Dreirädern wird die Vorderachse angetrieben, während hinten gelenkt wird. Damit dürfte man eine ziemlich stabile Straßenlage haben, aber ob sich die Lenkung eines klassischen Gabelstaplers an einem Fahrrad gut macht?

TrioBike Mono

Hierzulande äußerst selten, fand sich das TrioBike Mono häufiger in Kopenhagen. Schön anzusehen ist es auf jeden Fall, aber abgesehen vom coolen Design scheint man sich hier kaum Gedanken gemacht zu haben.

Christiania

Und natürlich das Christiania Bike - quasi in Kopenhagen zu hause. Und wenn man so will das exakte Gegenteil vom TrioBike. Das Design versprüht den klassischen Charme eines Audi 80, aber die Verarbeitung ist für die Ewigkeit.

Dänische Post
Auch die dänischen Postboten wissen, was gut ist, und ist mit elektrifizierten Dreirädern unterwegs. Mit gelenkten Vorderrädern, soweit ich das von diesem Foto beurteilen kann - dafür spricht der Lenker.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Dash Cam Video


Unterwegs mit dem Urban Arrow auf der Geist und im Duesberg-Viertel. Gefilmt mit Canon EOS 60D und GoPro HD Hero2. Musik: "C'est Moll", aufgenommen von Jan Mensing im Dezember 2000.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Urban Arrow schlägt Cabby

Ich habe Pech. Nach den Problemen mit den Vibrationen im Vorderrad, einem defekten Ladegerät und  einer gebrochenen Zeltstange beim Regendach beklage ich seit Mitte letzter Woche Kabelbruch im Kabel zwischen Controller und Motor. Die Folge: seither fahre ich unmotorisiert.

Wie bei allen anderen Problemen hat man sich seitens des Herstellers vorbildlich um mich gekümmert, ich bekam bislang in jedem Fall kurzfristig und ohne Umschweife das entsprechende Ersatzteil zugeschickt und in diesem Fall auch eine Kostenübernahme für die Reparatur beim örtlichen Fahrradgeschäft.

Ich denke, man darf all dies als Kinderkrankheiten eines neuen Produktes betrachten. Das ist auch nichts ungewöhnliches, auch namhafte Hersteller, die bereits seit längerer Zeit am Markt sind, erleben so etwas immer wieder.

Und es sind auch alles nur Kleinigkeiten. Und doch: die Summe nervt. Und dass es unbedingt mich treffen muss. Ich stehe ja in Kontakt zu verschiedenen anderen Urban Arrow Fahrern - niemand von denen hat ähnliche Probleme gehabt.

Und trotzdem kann ich der aktuellen Krise noch etwas positives abgewinnen: ich komme derzeit dazu, die stufenlose NuVinci Nabe richtig zu genießen.

Mit Motor fahrend leistet die Schaltung schon gute Arbeit, aber ihre wahre Stärke - die stufenlose Wahl der Übersetzung - fällt, wenn man nur mit Muskelkraft unterwegs ist, deutlich mehr ins Gewicht.

Wenn der Motor fleißig mitdreht, kommt man kaum mal ins Schwitzen. Es sei denn, man nutzt den Motor nicht, um unterstützt entspannt zu cruisen, sondern um mit addierter Mensch- und Motorkraft zu rasen, wie eine gesengte Sau - was ich meistens tue, insbesondere, wenn ich ohne Fahrgäste unterwegs bin. Sind meine Kinder an Bord, mäßige ich mich.

Mit reiner Muskelkraft bei einer normalen Schaltung geschieht es oft, dass man einen Gang hochschaltet, fünfzig Meter fährt und dann denkt: Mist, das ist jetzt irgendwie doch zu schwer. Schon schaltet man wieder runter, tritt nun aber eigentlich zu schnell in die Pedale.

Die NuVinci erlaubt es da, eben genau die Übersetzung zu finden, die für die aktuelle Strecke, sei es Ebene oder Steigung, optimal ist. Daher hat es mich überrascht, dass ich auch ohne Motor ziemlich schnell unterwegs bin.

Ich hatte schon einige Anfragen von Lesern, die sich für das unmotorisierte Urban Arrow interessieren. Da es vom Rahmen her identisch mit meinem ist, habe ich also nur ein paar Kilo Motor extra mit mir herumgefahren und kann sagen: immer noch sehr gutes Rad.

Und so musste ich Urban Arrow nach erhalt des Ersatzteiles mitteilen, dass ich das Rad erst nächste Woche in Reparatur geben werde und die telefonischen Instruktionen zum Austausch des Kabels an den Händler erst dann fällig werden, da ich in der Zwischenzeit lieber ohne Motor Urban Arrow fahre, als mein Gazelle Cabby.

Und so kam die Reaktion von Urban Arrow prompt: "Good to hear we beat the Cabby also  nonelectric. Cheers".


Dem schließe ich mich an: Cheers.


Dienstag, 3. Juli 2012

Warum eigentlich kein Auto

Während unser Kindersitzadapter in Bau ist, draußen die Sonne scheint und ich auf genaue Pixelmaße für ein paar Bilder warte, die ich zurechtschneiden soll, erscheint es mir angemessen, mal auf unsere besondere Wohnsituation zu kommen.

Zunächst mal leben wir in Münster. Hier werden nahezu 40% aller Erledigungen des Tages auf dem Fahrrad gemacht, damit liegen wir beinahe auf dem Niveau der Holländer - gut, ist ja auch nicht weit weg.

Meine Familie haust aber nun seit bereits über einem Jahr auch noch in der autofreien Siedlung Weißenburg. Dieses autofreie Quartier ist 2001 entstanden und zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass zwischen den Häusern keine Autos herumfahren, nein, wer hier wohnt, der hat kein Auto.

Da passt eine Bakfiets natürlich prima ins Bild.

Mit seiner Topographie und der ausgezeichneten Infrastruktur für Radfahrer fällt es uns nicht schwer, auf das Auto nahezu komplett zu verzichten. Innerhalb der Stadt bilden eigentlich nur Transporte von extremem Sperrgut die Ausnahme.

Ich wüsste keinen Ort in der Stadt, den ich mit dem Auto oder dem Bus schneller erreichen könnte, als mit dem Rad. Auch wenn ich mir bereits von Großstädtern anhören musste, Münsteraner fänden es vom Geistviertel nach Kinderhaus immer so weit: das entspricht der Strecke vom Kölner Dom raus nach Ehrenfeld. Findet ihr das nah oder weit? ;)

Das Auto zieht in manchen Fällen nur knapp den kürzeren, dann allerdings, weil es einfach immer mit gewissem Aufwand verbunden ist, mit der ganzen Familie ein Auto zu besteigen. Bis man erstmal losgefahren ist, sind schon mal 10 Minuten vergangen. Unsere Bakfiets steht abfahrbereit vor der Tür.

Dazu kann man natürlich Schleichwege fahren - die meistens nicht nur kürzer, sondern auch wesentlich schöner sind, als die großen Ein- und Ausfallstraßen der Stadt. In den oben angesprochenen Vorort Kinderhaus zum Beispiel führt ab Innenstadtring eine verkehrsberuhigte Landstraße über Felder und Wiesen, eine Wonne, da entlang zu sausen.

Was den Autos der Innenstadtring, ist den Fahrrädern die Promenade. Auf der Strecke der mittelalterlichen Stadtmauer (die es nicht mehr gibt) um Münsters Altstadt umkreisen heute die Radfahrer den Stadtkern. Im Volksmund wird die Promenade daher auch gern Fahrradautobahn gerufen.

Wir haben einfach kein Auto nötig. So schön und so einfach ist das.

PS: unser Gazelle Cabby steht dann wohl doch bald zum Verkauf, vermutlich mit Eintreffen des Kindersitzes für die Box des Urban Arrow. Interessenten können sich gern melden.

Donnerstag, 28. Juni 2012

Kleiner Kindersitz

Hat irgendwer das Deutschland-Spiel gerade gesehen und kann mir sagen, wie es ausgegangen ist? Nicht? Nun, ich werde es sicherlich morgen aus der Zeitung erfahren.

Heute Nachmittag stand ich bereits bei 123rad und tat meine Überzeugung kund, dass das Spiel von heute Abend leicht zu gewinnen sei, während der Chef Maß nahm und eifrig Skizzen auf seinen Collegeblock zeichnete.

Am Ende wird eine Halterung für einen Bobike Mini City Kindersitz dabei herauskommen, in dem mein jüngster Sohn über die nächsten Monate im Urban Arrow Platz nehmen kann.

Im Vergleich zur Inspiration aus diesem Blog wird meine Variante allerdings herausnehmbar sein, so dass bei Einkaufsfahrten auch größere Lasten mitfahren können und der Kindersitz einfach für den Moment zuhause bleibt.

Dazu legen wir einfach eine exakt passende MDF-Platte auf den Boden der Box, so dass sie unter der Sitzbank verkantet. Im vorderen Bereich der Box soll entweder ein Spanngurt für sicheren Halt sorgen, vielleicht nutzen wir aber auch die bereits vorhandenen Gewinde im Rahmen des Urban Arrow - sie sind vermutlich da, um die zweite Sitzbank zu montieren - um damit irgendwie die Bodenplatte zu fixieren, und darauf kommt dann ein Pfosten, der den - eigentlich für den Fahrradlenker konzipierten - Kindersitz halten wird.

Sobald es welche gibt, folgen Fotos vom Projekt.

Gazelle Cabby zur Visite, Sonntagmorgensause

Nach wie vor kommen unheimlich viele Leser über den Suchbegriff "Gazelle Cabby" zu diesem Blog, das freut mich natürlich, und mit dem Dreijahrestest halte ich schließlich auch einen ganz nützlichen Artikel für diese Interessengruppe bereit.

Mein eigenes Cabby führt derweil ein eher trauriges Dasein. Seit das Urban Arrow an der Sattelstütze einen robusten Schnellspanner vorweist, ist es erste Wahl bei Fahrten in die KiTa, zum Einkaufen, zum Flohmarkt ...

Also steht das Cabby vor der Tür, in den letzten Tagen bedauerlich oft auch im Regen, und harrt der Dinge, die da kommen mögen. Mit dem unaufhaltsam voranschreitenden Wachstum meines jüngsten Sohnes verliert es zudem seinen größten Trumpf: die gefederte Maxi Cosi Halterung. Denn eigentlich ist der junge Mann schon längst zu schwer und zu groß für die Babyschale, sinnvoller wäre es, ihn in einen kleinen Kindersitz zu setzen, der angebracht werden könnte, wie im Busybike-Blog beschrieben - danke für den Link nach Wiesbaden - und hier ein Foto mit montiertem Kindersitz. Will ich haben. Muss bei Gelegenheit noch mal beim Metallbauer vorbei fahren.

Hatte ich bei Anschaffung des Urban Arrow noch mit dem Gedanken gespielt, das Cabby zu verkaufen, habe ich dennoch in den letzten Wochen und Monaten den Besitz von zwei Lastenrädern schätzen gelernt. Schließlich kann es ja auch sein, dass man mal in zwei verschiedenen Richtungen gleichzeitig unterwegs ist.

Daher steht für das Cabby wohl als nächstes eine Frischzellenkur an: ein neues Tretlager muss her, und die Shimano Rollenbremsen brauchen auch mal eine Inspektion.

Sonntagmorgensause

eines Sonntag morgens bin ich Brötchen holen gefahren. In aller Frühe, ein jüngeres Familienmitglied hatte beschlossen, etwas eher aufzustehen, als man das Sonntags gemeinhin so macht.

Also dachte ich mir: wenn ich schon auf bin, rauf auf's Rad und rüber in den anderen Stadtteil, denn dort gibt es eine Filiale jenes einen Bäckers, der Schwedenmehrkornbrötchen backen kann. Das beste Brötchen der Welt, wenn ihr mich fragt.

Mein Wunsch nach den besonderen Backwaren blieb ungehört, was mit Öffnungszeiten und typisch deutscher Unflexibilität zu tun hat, allerdings waren die Straßen an diesem morgen wunderbar leer, so dass ich mich der Radwegnutzungspflicht entzogen hatte und das Urban Arrow auf glattem Asphalt mal so richtig ausgefahren bin. Hei, das macht Spaß. Ich hätte gerne ein Netz aus Express-Radwegen, nur für mich.