Montag, 12. November 2012

Urban Arrow rappelt nicht mehr

Schon mehrfach habe ich über die Vibrationen im Vorderrad geschrieben, die beim Urban Arrow bei höheren Geschwindigkeiten auftreten können - und das UA ist mit seinem Daum/NuVinci Aggregat ein Rad, das zum Schnellfahren verführt, wie kein anderes Lastenrad.

Ich hatte auch schon davon gehört, dass die Vibration in Ausnahmefällen so extrem werden kann, dass man die Kontrolle über das Rad verlieren kann. Bis vergangenen Samstag ist mir das allerdings noch nicht passiert, doch dann kamen Geschwindigkeit, nasses Laub und Vibration zusammen und peng - da lag ich auf der Seite.

Wie sind also die Powerslide-Eigenschaften des Urban Arrow? Ausgesprochen positiv. Schaden genommen haben lediglich Knie und Ellenbogen des Fahrers, sogar die Styropor-Box - eigentlich immer das erste, an dem Menschen zweifeln, wenn sie das UA kennen lernen - hat nur leichte Schrammen. Und auch meine Fahrgäste konnten sich über nicht mehr als einen ordentlichen Schreck beschweren.

Dazu beigetragen hat sicherlich auch die Konstruktion des Rades: im Vergleich zu anderen Lastenrädern sitzten die Kinder beim Urban Arrow tiefer in der Box, haben also mehr Seitenaufprallschutz.

Dennoch: so was sollte nach Möglichkeit nie wieder passieren. Und wer hätte es gedacht, zumindest das Problem mit der Vibration sollte ab sofort der Vergangenheit angehören.

An aktuellen Modellen des Urban Arrow ist es schon montiert, für ältere ist es mühelos nachrüstbar, denn es besteht aus nicht mehr als einem dicken Gummiband, einem Knauf zur Befestigung am Rahmen und einem Kabelbinder.

Spannt man das Gummi zwischen Box und der Lenkstange unterhalb der Box, fängt die Konstruktion offenbar jegliche Vibration auf - ich konnte bei meinen Tempo-Versuchen am Wochenende jedenfalls kein Rappeln mehr feststellen.

Schade für mich, dass mich diese Innovation ein paar Tage zu spät erreicht hat, sonst hätte ich meinen Sturz auf dem Weg zum Zoo vielleicht vermeiden können. Um so wichtiger, dass alle Räder da draußen mit diesem kleinen Teil nachgerüstet werden. Wendet euch eurern Händler oder direkt an den Hersteller.

Pinkus Müller! Nur der SCP!
In other News: mein Beixo Share hat vorne nun den gewünschten Bierkasten. Zur Wahrung der lokalen Identität kommt er von Pinkus Müller, für die Überdosis Lokalkolorit habe ich noch zwei Preußen-Sticker appliziert. Jetzt muss ich nur noch das Flaschengitter heraus sägen. Noch kein Plan, wie ich das am besten mache.

Samstag, 27. Oktober 2012

Chainless Steel

Voller Vorfreude hatte ich in den letzten Tagen getwittert, und seit gestern morgen ist es da: mein Beixo Share. Klar, kein richtiges Lastenrad, wenn man so will, aber nachdem ich den vorderen Gepäckträger montiert hatte, hat sich das Rad für einen kurzen Eintrag hier qualifiziert.

Beixo Share in voller Pracht. Schöne Details: jede vierte Speiche ist rot, dazu rote Akzente am Rahmen.
Meine Fahrräder stehen eigentlich immer draußen. Selbst dann, wenn ich einen Fahrradkeller zur Verfügung habe, bin ich in den meisten Fällen zu faul, das Rad morgens heraus uns insbesondere abends hinein zu wuchten. Hier in der autofreien Siedlung sind die Treppen zu den Fahrradkellern viel zu steil und auf dem Absatz unten ist wenig Platz und die Tür geht nach außen auf. Da haben ein paar Architekten zusammen nicht lange nachgedacht (frei nach Spilker).

Die ganzjährige Witterung und die nahezu tägliche Ausfahrt ist sicher ein Grund, warum ich bei meinen Rädern mit den Ketten immer Probleme hatte. Daher hatte ich irgendwie schon immer von einem Rad mit Wellenantrieb geträumt, und als mein letztes Rad langsam in einen Zustand kam, wo die komplette Instandsetzung den Neupreis überstiegen hätte, begann ich mit der Recherche.

Da es nicht besonders viele Räder mit Antriebswelle gibt, landete ich relativ schnell bei Beixo und von deren Modellen gefiel mir das Share auf Anhieb. Zumal ich diesmal ein klassisches Hollandrad haben wollte, mit bequemer, aufrechter Sitzposition - so, wie die Fahrräder, die man auf Ameland im Urlaub beim Fietsverhuur leiht: unfassbar schwere Räder, so schwer, dass man meinen könnte, sie seien gusseisern, auf denen man jedoch dahin rollt wie auf samtigen Teppichen. Dazu eine klassische Dreigang "Versnelling", ein Gang für Gegenwind, ein Gang für normales Fahren, und ein Gang für bergab.

Leider ließ sich für das Share keine Probefahrt organisieren, und so haderte ich mit mir: sollte ich die Katze im Sack kaufen? Als mein Kettler schließlich mehr und mehr den Geist aufgab und die Strecke zum Büro auch nach erfolgtem Spannen der Kette nur noch mit mehrmaligem Abspringen letzterer zu bewältigen war, sprang ich ins kalte Wasser.

Anderthalb Wochen später kam ein LKW mit einem großen Karton. Kurzer Exkurs ins Speditionswesen: warum zum Teufel hatte der Karton einen großen, schwarzen Fußabdruck auf der Seite? Muss ich davon ausgehen, dass das Personal von DB Schenker ungeniert auf ihrem Stückgut herumtrampelt, selbst wenn es mit "Fragile" gekennzeichnet ist? Offenbar ja.

Da ich nicht davon ausgehe, dass Beixo kaputte Räder verschickt, muss ich annehmen, dass Klingel und Ständer bei eben jener Aktion, bei der auch dieser Fußabdruck entstand, beschädigt worden sind. Tolle Wurst. Mail an den freundlichen Kontakt beim Hersteller ist raus, mal gucken, was daraus wird.

Die Klingel konnte der ebenfalls freundliche Azubi (?) bei 123rad noch gerade biegen, der Ständer bleibt ein Ärgernis. Dennoch bekam ich das Rad fahrtüchtig und darf nach ersten Ausfahrten mit und ohne Anhänger meine Begeisterung kundtun.

Wellenantrieb mit 10 Jahren Garantie FTW.
Es fährt sich genau so, wie ich das erhofft und oben beschrieben hatte. Optisch ist es die Wucht, wie ich finde. Die besondere Speichung (weiß einer, wie die heißt?) und die eingestreuten roten Speichen sowie die roten Akzente auf den Schutzblechen und am Rahmen machen sich richtig gut. Auf der Innenseite der Gabel trägt es zudem vier Flaggen - welche genau habe ich mir nicht gemerkt, aber vermutlich sind es Flaggen von Drittweltländern, die vom Colorbike-Projekt profitieren. Dieses Projekt kauft Schulkindern in der dritten Welt Fahrräder, und beim Share fließen satte 15% des Umsatzes in dieses Projekt. Karma, Baby!

Der hintere Gepäckträger fehlt noch, den hatte ich eigentlich mit bestellt, und dann werdet ihr sicher bald wieder von mir und meinem Share hören und lesen.

Übrigens: Münster zählt seit gestern zwei Urban Arrow. Das andere ist auch weiß, von meinem aber nicht zuletzt durch die neuerdings roten Anschnallgurte zu unterscheiden und gehört Thorsten. Allzeit gute Fahrt!

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Popularität / Zwischenmeldung

Ich schreibe es immer wieder in meinen Antwort-Mails: ich bin baff, wie viele Leute sich für dieses Blog interessieren. Nicht nur, dass monatlich über 2.000 Leser hier vorbei schauen, ich bekomme auch wöchentlich Mails - und diese Schwelle wird nicht mal eben überschritten.

Erst kürzlich waren sogar Zuschriften aus Frankreich und England dabei. Das haut mich um. Und morgen empfange ich voraussichtlich Besuch aus Köln, um das Urban Arrow vorzustellen.

Ich sollte wirklich mal beginnen, den Ausbau der Seite vom reinen Blog zum Informativen Bakfiets-Katalog voran zu treiben. Irgendjemand unter den Lesern, der sich schon mal intensiver mit dem erstellen eigener Blogger-Templates beschäftigt hat?

Und - bei Facebook hatte ich es schon geschrieben: offenbar hat mein Fahrradhändler das Urban Arrow während der Zeit, in der es bei ihm zur Reparatur und ich im Urlaub war, mehrfach privat genutzt. Mal abgesehen davon, dass das für das Urban Arrow spricht - denn er hat eigentlich einen breiten Fuhrpark an eigenen Rädern, auch Lastenrädern - weiß ich nicht genau, wie ich damit umgehen soll, jetzt, wo ich das hinten rum erfahren habe. Ich möchte nicht spießig erscheinen, aber ganz OK finde ich das nicht. Was würdet ihr tun?

Samstag, 6. Oktober 2012

Wir fahren wieder

Der Urlaub ist vorbei, das Urban Arrow repariert. Allerdings erst nach einer Korrekturschleife. In Unkenntis der NuVinci Nabe hatte der Azubi nur die Hälfte der Übersetzung erkannt und die Schaltzüge entsprechend angeschlossen. Das kann dann allerdings auch leicht passieren, wenn man nicht weiß, dass sich die Nabe im Stand nicht über die Mitte schalten lässt.

Obwohl ich ohne Lastenrad in Frankreich war, habe ich kürzlich auch von dort eine Mail erhalten - die ich noch nicht ganz lesen konnte, ich spreche ja gar kein Französisch, und die Google Übersetzung war ... sagen wir mal, mäßig. Dennoch danke, ich bin echt überrascht, welche Kreise das Bakfietsblog zieht und wieviele Leser hier regelmäßig vorbeischauen, selbst in Zeiten, da ich nur wenige, neue Beiträge verfasse.

Angestiftet von diesem Erfolg habe ich direkt versucht, mich als Pressevertreter für die Amsterdam FietsVak zu akkreditieren. Bislang noch keine Antwort erhalten, also habe ich mir zusätzlich ein normales Ticket gelöst - die sind auch kostenlos, man muss nur in der Fahrradbranche arbeiten. Und hey, das tue ich doch, ... irgendwie.

Am vergangenen Feiertag haben wir ins nahe Enschede rüber gemacht, um unserem Verlangen nach Konsum auch so nachgehen zu können. Gebracht hat es uns nicht zuletzt einen Bobike Maxi City Kindersitz, der noch auf die "Omafiets" meiner Freundin zu montieren ist.

Weiteres Projekt: Google Maps Karte mit Urban Arrows erstellen. Ich wüsste da welche in Göttingen, Bergkamen, Melle, Münster, Basel, Frauenfeld, ...

Donnerstag, 13. September 2012

Ein halbes Jahr, ein halbes Urban Arrow

Übermorgen geht es in den Urlaub. Das ist gut. Sollten in der Provence auch Lastenräder herumfahren - beispielsweise zum Kräutertransport - werde ich fotografieren und es euch nach meiner Rückkehr wissen lassen.

An dieser Stelle muss ich leider noch mal klagen. Jammern auf hohem Niveau. Denn: mein Urban Arrow ist mal wieder kaputt. Eventuell kann 123rad das Ersatzteil schon bis morgen beschaffen - was wirklich beachtlich ist, wenn man bedenkt, dass ich das Rad um kurz vor 20 Uhr in den Laden gebracht habe - aber da unser Zug Samstag morgen um 07:03 geht, ist es im Moment ziemlich egal, wie schnell das Ersatzteil kommt.

Nicht egal ist folgende Liste:

  • Kabelbruch zwischen Nabendynamo und Rücklicht
  • defektes Ladegerät
  • gebrochene Zeltstange am Regenzelt
  • Kabelbruch zwischen Controller und Motor
  • gerissener Schaltzug
Das ist die Liste der Defekte meines Urban Arrow binnen des ersten halben Jahres.

Auf die Reparatur der Beleuchtung habe ich verzichtet bzw. mit meinem Lieblingsfahrradhändler einen Kompromiss gefunden. Der Schaltzug ist heute Nachmittag auf dem Rückweg von der KiTa gerissen.

Um die anderen Anliegen hat sich der Hersteller in vorbildlicher Art und Weise gekümmert und die Schäden behoben.

Dennoch: das ist ein bisschen viel für ein halbes Jahr. Aktuell bin ich daher ein wenig ernüchtert, schon nach dem Kabelbruch in der Elektronik hatte ich gedacht, das sei nun aber wirklich das letzte Mal und fortan möge bitte nichts mehr kaputt gehen. Klar, einen platten Reifen und ähnlichen Verschleiß hätte ich da ausgenommen, aber der Schaltzug einer fast 400 Euro teuren Nabenschaltung hat einfach nicht binnen eines halben Jahres zu reißen, schon gar nicht dann, wenn der Zug einer viel billigeren Shimano 08/15-Nabe jahrelang hält.

Das Rad ist beim Fahrradhändler, der Hersteller ist informiert, Reaktion steht noch aus. Dennoch schwindet meine Überzeugung.

Seit bestehen des Blogs habe ich über zwanzig netten Leuten aus ganz Deutschland schon in teilweise üppigen E-Mail-Dialogen Auskunft gegeben, das hat viel Spaß gemacht. Andere haben sogar angerufen oder sind gar zum gucken vorbeigekommen. Auch das waren immer nette Begegnungen.

Aber im Moment kann ich mich einfach nicht mehr hinstellen und aus voller Überzeugung sagen: seht her, das hier ist das beste Lastenrad. Davon muss ich mich erst mal wieder selbst überzeugen. Unter Umständen braucht es dafür nicht mehr, als ein paar Fahrten mit instandgesetzter Schaltung, aber das passiert dann alles nach dem Urlaub.

Kräuter der Provence, ich komme!

Dienstag, 7. August 2012

Riese und Müller load hybrid

Vergangene Woche erhielt ich eine Mail von Helmut mit dem Hinweis auf ein neues Lastenrad. Dann saß ich in Bad Homburg im Kurpark, und ein Klapprad von Riese und Müller fuhr an mir vorbei. Dann verfluchte ich mein Android-Smartphone und wartete wohl oder übel auf den folgenden Montag, wenn mir wieder DSL zur Verfügung stünde.

Danke für den großartigen Tipp, bei dem besagten Rad handelt es sich um das "load hybrid" von Riese und Müller, und damit um deren Einstieg in den Sektor der Lastenräder. Bislang hat man sich dort eher mit Falträdern einen Namen gemacht, allerdings - was man so liest - einen guten.

load hybrid - (c) riese und müller
Mediengestalter, wie ich einer bin, kriegt man mich ja immer gut über Design. Und da macht das load hybrid eine außerordentlich gute Figur, wenn ihr mich fragt. Insbesondere die nach vorne abfallende Linienführung über den ganzen Rahmen hinweg lässt das Rad schnittig daher kommen.

Auf dem Tretlager ist ein Bosch Motor verbaut. Optisch finde ich es ein wenig seltsam, dass die Verkleidung so weit über den Rahmen hinaus ragt, es scheint aber durch die Bauform des Motors bedingt zu sein. Der Daum Motor im Urban Arrow ist zum Vergleich rundum mit dem Rahmen verschraubt, was ihn gleichermaßen weniger seltsam, aber auch den Rahmen ungemein wuchtiger aussehen lässt.

Was das Bild nicht verrät, ist, dass das Rad bei Markteinführung auch mit einer NuVinci 360 Nabe angeboten wird. Über letztere habe ich hier nun schon genug geschwärmt, warum das Rad dann überhaupt noch mit einer 10-Gang-Kettenschaltung angeboten wird, muss ich nicht verstehen - vermutlich hat es was mit Kosten zu tun, oder (vermutlich, Jan, vermutlich) aber es gibt Leute, die einfach auf Kettenschaltungen stehen :D

Auch gut: Scheibenbremsen vorne und hinten. Ich nehme das Urban Arrow ja immer gern für seine Roller Brakes in Schutz mit dem Einwand, dass ein All-Day-Draußen-Rad witterungsunabhängige Bremsen braucht, aber dennoch ist unbestritten: eine Scheibenbremse bremst härter und besser. Wenn sie dann noch hydraulisch betrieben wird, ist quasi die höchste Ebene des erlesenen Anhaltens erreicht.

Ein echtes Alleinstellungsmerkmal unter Lastenrädern ergibt sich aus der Firmenphilosophie des Herstellers: das Rad ist voll gefedert. Dazu noch Ballonreifen - das Ding muss sich eigentlich fahren wie auf Watte, würde ich sehr gerne mal ausprobieren.

Die Federung ist auch ein echter Pluspunkt, wenn es um die Beförderung von Kindern geht. Da allerdings scheint mir noch Luft nach oben: die Ladefläche ist vergleichsweise Kurz geraten, und derzeit ist noch nicht ersichtlich, ob es überhaupt eine Lösung für den Kindertransport geben wird. Eine aufsetzbare Kabine ähnlich wie bei Pedalpower wäre vorstellbar, allerdings ist die Ladefläche des Long Harry um einiges länger als die des load hybrid.

Kindertransport? Wirklich?
Denn mal ehrlich: so, wie hier dargestellt, wird dann doch eher keiner sein Kind mitnehmen. Da kann sich der kleine Racker den Helm auch gleich sparen - eine Sitzbank und ein Anschnallgurt stünden ihm da besser...

Das load hybrid kommt allerdings erst 2013, ich bin sehr gespannt, was sich bis dahin noch tut, und hoffe darüber hinaus, dass sich das Bakfietsblog bis dahin zu einer derartigen Instanz im Lastenrad-Genre aufgebläht hat, dass ich kostenlos bemustert werde. Ähem, nun ja, man wird ja mal träumen dürfen.

Freitag, 20. Juli 2012

Kopenhagen

Wie bereits angekündigt, war meine persönliche Lieblingskorrespondentin in Kopenhagen unterwegs und hat exklusiv für's Bakfietsblog ein paar Lastenräder fotografiert.

Sorte Jernhest
Besonders interessant für mich dieses Modell: anders als üblichen Dreirädern wird die Vorderachse angetrieben, während hinten gelenkt wird. Damit dürfte man eine ziemlich stabile Straßenlage haben, aber ob sich die Lenkung eines klassischen Gabelstaplers an einem Fahrrad gut macht?

TrioBike Mono

Hierzulande äußerst selten, fand sich das TrioBike Mono häufiger in Kopenhagen. Schön anzusehen ist es auf jeden Fall, aber abgesehen vom coolen Design scheint man sich hier kaum Gedanken gemacht zu haben.

Christiania

Und natürlich das Christiania Bike - quasi in Kopenhagen zu hause. Und wenn man so will das exakte Gegenteil vom TrioBike. Das Design versprüht den klassischen Charme eines Audi 80, aber die Verarbeitung ist für die Ewigkeit.

Dänische Post
Auch die dänischen Postboten wissen, was gut ist, und ist mit elektrifizierten Dreirädern unterwegs. Mit gelenkten Vorderrädern, soweit ich das von diesem Foto beurteilen kann - dafür spricht der Lenker.

Mittwoch, 18. Juli 2012

Dash Cam Video


Unterwegs mit dem Urban Arrow auf der Geist und im Duesberg-Viertel. Gefilmt mit Canon EOS 60D und GoPro HD Hero2. Musik: "C'est Moll", aufgenommen von Jan Mensing im Dezember 2000.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Urban Arrow schlägt Cabby

Ich habe Pech. Nach den Problemen mit den Vibrationen im Vorderrad, einem defekten Ladegerät und  einer gebrochenen Zeltstange beim Regendach beklage ich seit Mitte letzter Woche Kabelbruch im Kabel zwischen Controller und Motor. Die Folge: seither fahre ich unmotorisiert.

Wie bei allen anderen Problemen hat man sich seitens des Herstellers vorbildlich um mich gekümmert, ich bekam bislang in jedem Fall kurzfristig und ohne Umschweife das entsprechende Ersatzteil zugeschickt und in diesem Fall auch eine Kostenübernahme für die Reparatur beim örtlichen Fahrradgeschäft.

Ich denke, man darf all dies als Kinderkrankheiten eines neuen Produktes betrachten. Das ist auch nichts ungewöhnliches, auch namhafte Hersteller, die bereits seit längerer Zeit am Markt sind, erleben so etwas immer wieder.

Und es sind auch alles nur Kleinigkeiten. Und doch: die Summe nervt. Und dass es unbedingt mich treffen muss. Ich stehe ja in Kontakt zu verschiedenen anderen Urban Arrow Fahrern - niemand von denen hat ähnliche Probleme gehabt.

Und trotzdem kann ich der aktuellen Krise noch etwas positives abgewinnen: ich komme derzeit dazu, die stufenlose NuVinci Nabe richtig zu genießen.

Mit Motor fahrend leistet die Schaltung schon gute Arbeit, aber ihre wahre Stärke - die stufenlose Wahl der Übersetzung - fällt, wenn man nur mit Muskelkraft unterwegs ist, deutlich mehr ins Gewicht.

Wenn der Motor fleißig mitdreht, kommt man kaum mal ins Schwitzen. Es sei denn, man nutzt den Motor nicht, um unterstützt entspannt zu cruisen, sondern um mit addierter Mensch- und Motorkraft zu rasen, wie eine gesengte Sau - was ich meistens tue, insbesondere, wenn ich ohne Fahrgäste unterwegs bin. Sind meine Kinder an Bord, mäßige ich mich.

Mit reiner Muskelkraft bei einer normalen Schaltung geschieht es oft, dass man einen Gang hochschaltet, fünfzig Meter fährt und dann denkt: Mist, das ist jetzt irgendwie doch zu schwer. Schon schaltet man wieder runter, tritt nun aber eigentlich zu schnell in die Pedale.

Die NuVinci erlaubt es da, eben genau die Übersetzung zu finden, die für die aktuelle Strecke, sei es Ebene oder Steigung, optimal ist. Daher hat es mich überrascht, dass ich auch ohne Motor ziemlich schnell unterwegs bin.

Ich hatte schon einige Anfragen von Lesern, die sich für das unmotorisierte Urban Arrow interessieren. Da es vom Rahmen her identisch mit meinem ist, habe ich also nur ein paar Kilo Motor extra mit mir herumgefahren und kann sagen: immer noch sehr gutes Rad.

Und so musste ich Urban Arrow nach erhalt des Ersatzteiles mitteilen, dass ich das Rad erst nächste Woche in Reparatur geben werde und die telefonischen Instruktionen zum Austausch des Kabels an den Händler erst dann fällig werden, da ich in der Zwischenzeit lieber ohne Motor Urban Arrow fahre, als mein Gazelle Cabby.

Und so kam die Reaktion von Urban Arrow prompt: "Good to hear we beat the Cabby also  nonelectric. Cheers".


Dem schließe ich mich an: Cheers.


Dienstag, 3. Juli 2012

Warum eigentlich kein Auto

Während unser Kindersitzadapter in Bau ist, draußen die Sonne scheint und ich auf genaue Pixelmaße für ein paar Bilder warte, die ich zurechtschneiden soll, erscheint es mir angemessen, mal auf unsere besondere Wohnsituation zu kommen.

Zunächst mal leben wir in Münster. Hier werden nahezu 40% aller Erledigungen des Tages auf dem Fahrrad gemacht, damit liegen wir beinahe auf dem Niveau der Holländer - gut, ist ja auch nicht weit weg.

Meine Familie haust aber nun seit bereits über einem Jahr auch noch in der autofreien Siedlung Weißenburg. Dieses autofreie Quartier ist 2001 entstanden und zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass zwischen den Häusern keine Autos herumfahren, nein, wer hier wohnt, der hat kein Auto.

Da passt eine Bakfiets natürlich prima ins Bild.

Mit seiner Topographie und der ausgezeichneten Infrastruktur für Radfahrer fällt es uns nicht schwer, auf das Auto nahezu komplett zu verzichten. Innerhalb der Stadt bilden eigentlich nur Transporte von extremem Sperrgut die Ausnahme.

Ich wüsste keinen Ort in der Stadt, den ich mit dem Auto oder dem Bus schneller erreichen könnte, als mit dem Rad. Auch wenn ich mir bereits von Großstädtern anhören musste, Münsteraner fänden es vom Geistviertel nach Kinderhaus immer so weit: das entspricht der Strecke vom Kölner Dom raus nach Ehrenfeld. Findet ihr das nah oder weit? ;)

Das Auto zieht in manchen Fällen nur knapp den kürzeren, dann allerdings, weil es einfach immer mit gewissem Aufwand verbunden ist, mit der ganzen Familie ein Auto zu besteigen. Bis man erstmal losgefahren ist, sind schon mal 10 Minuten vergangen. Unsere Bakfiets steht abfahrbereit vor der Tür.

Dazu kann man natürlich Schleichwege fahren - die meistens nicht nur kürzer, sondern auch wesentlich schöner sind, als die großen Ein- und Ausfallstraßen der Stadt. In den oben angesprochenen Vorort Kinderhaus zum Beispiel führt ab Innenstadtring eine verkehrsberuhigte Landstraße über Felder und Wiesen, eine Wonne, da entlang zu sausen.

Was den Autos der Innenstadtring, ist den Fahrrädern die Promenade. Auf der Strecke der mittelalterlichen Stadtmauer (die es nicht mehr gibt) um Münsters Altstadt umkreisen heute die Radfahrer den Stadtkern. Im Volksmund wird die Promenade daher auch gern Fahrradautobahn gerufen.

Wir haben einfach kein Auto nötig. So schön und so einfach ist das.

PS: unser Gazelle Cabby steht dann wohl doch bald zum Verkauf, vermutlich mit Eintreffen des Kindersitzes für die Box des Urban Arrow. Interessenten können sich gern melden.

Donnerstag, 28. Juni 2012

Kleiner Kindersitz

Hat irgendwer das Deutschland-Spiel gerade gesehen und kann mir sagen, wie es ausgegangen ist? Nicht? Nun, ich werde es sicherlich morgen aus der Zeitung erfahren.

Heute Nachmittag stand ich bereits bei 123rad und tat meine Überzeugung kund, dass das Spiel von heute Abend leicht zu gewinnen sei, während der Chef Maß nahm und eifrig Skizzen auf seinen Collegeblock zeichnete.

Am Ende wird eine Halterung für einen Bobike Mini City Kindersitz dabei herauskommen, in dem mein jüngster Sohn über die nächsten Monate im Urban Arrow Platz nehmen kann.

Im Vergleich zur Inspiration aus diesem Blog wird meine Variante allerdings herausnehmbar sein, so dass bei Einkaufsfahrten auch größere Lasten mitfahren können und der Kindersitz einfach für den Moment zuhause bleibt.

Dazu legen wir einfach eine exakt passende MDF-Platte auf den Boden der Box, so dass sie unter der Sitzbank verkantet. Im vorderen Bereich der Box soll entweder ein Spanngurt für sicheren Halt sorgen, vielleicht nutzen wir aber auch die bereits vorhandenen Gewinde im Rahmen des Urban Arrow - sie sind vermutlich da, um die zweite Sitzbank zu montieren - um damit irgendwie die Bodenplatte zu fixieren, und darauf kommt dann ein Pfosten, der den - eigentlich für den Fahrradlenker konzipierten - Kindersitz halten wird.

Sobald es welche gibt, folgen Fotos vom Projekt.

Gazelle Cabby zur Visite, Sonntagmorgensause

Nach wie vor kommen unheimlich viele Leser über den Suchbegriff "Gazelle Cabby" zu diesem Blog, das freut mich natürlich, und mit dem Dreijahrestest halte ich schließlich auch einen ganz nützlichen Artikel für diese Interessengruppe bereit.

Mein eigenes Cabby führt derweil ein eher trauriges Dasein. Seit das Urban Arrow an der Sattelstütze einen robusten Schnellspanner vorweist, ist es erste Wahl bei Fahrten in die KiTa, zum Einkaufen, zum Flohmarkt ...

Also steht das Cabby vor der Tür, in den letzten Tagen bedauerlich oft auch im Regen, und harrt der Dinge, die da kommen mögen. Mit dem unaufhaltsam voranschreitenden Wachstum meines jüngsten Sohnes verliert es zudem seinen größten Trumpf: die gefederte Maxi Cosi Halterung. Denn eigentlich ist der junge Mann schon längst zu schwer und zu groß für die Babyschale, sinnvoller wäre es, ihn in einen kleinen Kindersitz zu setzen, der angebracht werden könnte, wie im Busybike-Blog beschrieben - danke für den Link nach Wiesbaden - und hier ein Foto mit montiertem Kindersitz. Will ich haben. Muss bei Gelegenheit noch mal beim Metallbauer vorbei fahren.

Hatte ich bei Anschaffung des Urban Arrow noch mit dem Gedanken gespielt, das Cabby zu verkaufen, habe ich dennoch in den letzten Wochen und Monaten den Besitz von zwei Lastenrädern schätzen gelernt. Schließlich kann es ja auch sein, dass man mal in zwei verschiedenen Richtungen gleichzeitig unterwegs ist.

Daher steht für das Cabby wohl als nächstes eine Frischzellenkur an: ein neues Tretlager muss her, und die Shimano Rollenbremsen brauchen auch mal eine Inspektion.

Sonntagmorgensause

eines Sonntag morgens bin ich Brötchen holen gefahren. In aller Frühe, ein jüngeres Familienmitglied hatte beschlossen, etwas eher aufzustehen, als man das Sonntags gemeinhin so macht.

Also dachte ich mir: wenn ich schon auf bin, rauf auf's Rad und rüber in den anderen Stadtteil, denn dort gibt es eine Filiale jenes einen Bäckers, der Schwedenmehrkornbrötchen backen kann. Das beste Brötchen der Welt, wenn ihr mich fragt.

Mein Wunsch nach den besonderen Backwaren blieb ungehört, was mit Öffnungszeiten und typisch deutscher Unflexibilität zu tun hat, allerdings waren die Straßen an diesem morgen wunderbar leer, so dass ich mich der Radwegnutzungspflicht entzogen hatte und das Urban Arrow auf glattem Asphalt mal so richtig ausgefahren bin. Hei, das macht Spaß. Ich hätte gerne ein Netz aus Express-Radwegen, nur für mich.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Rauf aufs Rad aus Sicht der Eltern

Eine Zeitschrift für junge Eltern herausbringen erscheint mir oft als das einfachste der Welt. Themen, die gerade beim ersten Kind auf der Seele brennen, gibt es genug, da genügt es, Schlagwörter wie "Durchschlafen" oder "Stillen" auf die Titelseite zu nehmen, und zack, landet das Heft im Einkaufswagen.

In der aktuellen Ausgabe der Eltern wird auch wieder über das Thema Fahrradfahren geschrieben. Wobei von Schreiben an sich keine Rede sein kann, vielmehr findet sich im Heft ein bebilderter Katalog über zwei Doppelseiten, auf dem verschiedene Laufräder, Kindersitze, Helme, Anhänger und Accessoires nebst Bezugsadresse gezeigt werden, darunter sogar zwei Lastendreiräder, nämlich das KTR von Pedalpower sowie das TrioBike Mono.

Insbesondere das Erwähnen des TrioBike lässt darauf schließen, dass die Recherche für den Beitrag dünn war und wenn überhaupt nach optischen Kriterien geführt wurde. Alles, was man zum TrioBike (allerdings in dem Fall dem größeren Bruder V2, aber ich denke, das überträgt sich leicht auf das Mono) wissen sollte, liest man bei Bakfiets en Meer. Fall abgeschlossen.

In der bunten Ansammlung der Fotos finden sich aber auch noch andere schöne Dinge. So fände ich einen Einspur-Kinderanhänger am Urban Arrow auch ziemlich cool, aber für 1400 Euro bekommt man ein neuwertiges Bakfiets. Und nicht mal ein schlechtes.

Ob ein Kindersitz 120 Euro kosten muss, bin ich mir auch nicht so sicher. Also, liebe Eltern-Redaktion: wenn ihr mal was vernünftiges zum Thema Kindertransport auf dem Fahrrad bringen wollt: ich bin bereit.

Mittwoch, 20. Juni 2012

Flohmarkt

Der Promenadenflohmarkt in Münster hat Tradition - wenngleich sich ein größeres Unternehmen aus der Unterhaltungs- und Event-Branche in den letzten Jahren anschickt, diese Tradition zu beenden, aber das gehört hier nicht hin.

Wir hatten am vergangenen Samstag das Glück, einen Stellplatz von meinem verhinderten Kollegen zu erben, und so belud ich Freitag Nachmittag - der Flohmarkt geht über Nacht - das Urban Arrow mit allerhand Kinderklamotten in Säcken und Kisten, einem Tapeziertisch, einem Pavillon und noch einigem Krims-Krams.

Voll beladen

Es wurde sogar so viel, dass ich auf der Hinfahrt noch unseren Croozer anhängen musste. Aber dank Elektro-Unterstützung fuhr sich die Karawane immer noch fast wie von selbst :)

Flohmarkt erreicht und entladen - im Gegenzug Baby eingeladen und mit nach Hause genommen

Donnerstag, 24. Mai 2012

Das dritte Rad

Vermutlich habe ich bereits erwähnt: ich ziehe das zweirädrige Bakfiets dem Lastendreirad aus verschiedenen Gründen vor. Durch die geringere Spurbreite nimmt man weniger Schlaglöcher mit. Auch das Durchfahren von Drängelsperren gelingt oft einfacher, manchmal kann man sogar Wege passieren, durch die kein Dreirad mehr passt. Und nicht zuletzt fahren die Zweiräder sich sportlicher.

Es gibt jedoch interessante Konzepte, die mich durchaus dazu bringen könnten, auch mal ein Dreirad zu fahren.

Zunächst konkurrieren bei Dreirädern - wir sprechen hier von Gefährten mit einem Rad hinten und zwei Rädern vorne - zwei Lenkungen. Gewöhnlich bewegt man die gesamte Transportkiste, was sich natürlich ganz anders anfühlt, als ein normales Fahrrad zu lenken, und zum Beispiel beim Auffahren auf Bordsteine  kann es sogar zum Problem werden, wenn man im falschen Winkel auf das Hindernis trifft. Dann ist viel Kraft gefordert, damit es einem die Lenkstange nicht entreißt.

Alternativ können beide Vorderräder wie beim Auto bewegt werden. Damit hält man einen echten Fahrradlenker in der Hand.

Ein solches Rad kann ich hoffentlich am Samstag an seiner Fertigungsstätte in Berlin begutachten: das Carryo.


Das Rad wartet zusätzlich mit einer nach oben öffnenden Schnauze auf - so können die kleinen Fahrgäste mit Leichtigkeit an Bord klettern. Damit nimmt das Rad in der Rangliste der Kinder mit Sicherheit den vordersten Platz ein.

Den anderen Kandidaten werde ich vermutlich nicht zu bald zu Gesicht bekommen: der "Front-End-Loader" von Onya wird in San Francisco gebaut.

Mit nur einem Sitzplatz ist das Rad eigentlich auch zu klein, aber anders als die Konkurrenz legt es sich in die Kurve und verspricht damit ein sehr sportliches Fahrverhalten trotz der drei Räder.

Und da San Francisco eine eher ungeeignete Topographie zum Radfahren hat, gibt es das Rad auch als E-Bike-Variante. Ohne die in der EU übliche Beschränkung auf 25 Stundenkilometer wird es damit zur echten Rakete.

Abgesehen davon, dass beide Räder leider nicht bei meinem Fahrradhändler um die Ecke zu kriegen sind, bräuchte ich wohl auch einen Sponsor oder einen Lottogewinn, um sie in meinen Fuhrpark aufnehmen zu können ...

Die Idee, ein Geschäft zu eröffnen und mit Lastenrädern zu handeln, schwebt schon länger in der Luft. Aber auch hier mangelt es nicht nur an Startkapital, ich müsste zudem auch in der Lage sein, Räder vernünftig zu reparieren. Und das gehört nicht unbedingt zu meinen Kernkompetenzen.

(Während ich dies tippe läuft im Hintergrund "Die Facebook-Story", also, vielleicht wird das Bakfietsblog ja das nächste große Ding ... HAHA)

Habt ihr auch fantastische Räder gesehen, gefahren, gefunden? Ich würde mich freuen, eure Erfahrungen hier zu teilen und eure Geschichten zu hören.

Schalten ohne Schalten

Mein Urban Arrow Bakfiets begeistert mich Tag für Tag. Wesentlichen Anteil daran hat allerdings auch ein Bauteil, das problemlos in jedes andere Fahrrad eingebaut werden könnte: die stufenlos schaltende NuVinci N360 Nabe.

In einem Werbevideo des Herstellers könnt ihr euch die Funktionsweise mal ansehen, die auf Überlegungen von Leonardo da Vinci zurückgeht - daher der Name.

Grau ist alle Theorie, bei der ersten Fahrt ist es zunächst ungewöhnlich, nicht durch ein Klicken auf den Wechsel in die nächste Fahrstufe aufmerksam zu werden. Anstelle der üblichen Nummerierung verweist ein kleines Piktogramm mit einem Radfahrer auf einer Linie auf die aktuelle Übersetzung: mal ist das orangefarbene alter Ego in der Ebene unterwegs, was auf eine hohe Übersetzung hinweist, mal meistert es einen steilen Hügel, was bei einer normalen Schaltung der erste Gang wäre.

Selbst moderne Nabenschaltungen sollten nicht unter Last geschaltet werden. Ganz ehrlich: ich habe noch nie darauf geachtet. Ich würde mich auch ziemlich stören, zu strampeln, dann kurz Pause zu machen, zu schalten und dann wieder in die Pedale zu treten. Bei Kettenschaltungen ist es umgekehrt: Schalten ist überhaupt nur während der Fahrt möglich.

Der NuVinci-Nabe ist es ziemlich egal, wann man die Übersetzung verstellt - von "schalten" kann bei einem stufenlosen Getriebe ja kaum die Rede sein. Einzig eine kleine Einschränkung gibt es: im Stand lässt sich die Übersetzung nicht über einen bestimmten Punkt verändern, weder vor noch zurück, was allerdings nicht zum Problem wird, da man schon bei der leichtesten Bewegung der Nabe sofort mühelos die gewünschte Einstellung wählen kann, beispielsweise schon beim Anrollen nach der roten Ampel, wenn man zuvor in einer hohen Übersetzung fuhr.

Hat man sich daran gewöhnt, in keinem spezifischen Gang mehr zu fahren, ist dem Fahrkomfort keine Grenze mehr gesetzt. Ich drehe zum Beispiel den Griff der Schaltung beim Beschleunigen langsam und kontinuierlich, so dass ich bei gleichbleibender Trittfrequenz beschleunigen kann.

An anderer Stelle hatte ich schon erwähnt, wie sehr es mich zwischenzeitlich nervt, auf mein normales Rad umzusteigen. Jedes mal, wenn mir bei meiner Shimano Nexus 8 Gear wieder mal ein Gang "durchkracht", sehne ich mich wieder auf mein Urban Arrow.

Ich habe noch niemals ein Rad mit hochwertiger Kettenschaltung besessen, und sicherlich gibt es Anwendungsgebiete, wo diese Art der Übersetzung unübertroffen ist. Für mich ist ein Fahrrad allerdings in erster Linie ein alltägliches Transportmittel, das insbesondere 365 Tage im Jahr der Witterung ausgesetzt ist - da ist eine Kettenschaltung absolut fehl am Platz.

In diesem Zusammenhang finde ich es zudem bedauerlich, dass bei vielen Pedelecs nur die Wahl zwischen Vorderradmotor und Nabenschaltung oder aber Hinterradmotor und Kettenschaltung besteht - hier stoßen wir unweigerlich auf eines meiner Hauptargumente für das Urban Arrow.

Wenn ihr also die Möglichkeit habt, mal eine NuVinci Nabe Probe zu fahren - mittlerweile gibt es zum Beispiel ein Hollandrad von Sparta mit dieser Schaltung - probiert es mal aus, es lohnt sich.

Dies zum Wochenende. Ich bin über Pfingsten in Berlin und hoffe, vor dem Karneval der Kulturen auch einen kurzen Abstecher zum Carryo machen zu können - fast das einzige Cargo-Trike, das meinen Vorzug für zweirädrige Lastenräder ins Wanken bringen könnte.

Mittwoch, 16. Mai 2012

Schnelle Tour nach Kinderhaus



Heute Nachmittag bin ich kurz nach Kinderhaus gedüst, um einen Römer Lord Kindersitz abzuholen, den wir über www.kotenkram.de erstanden hatten.

Gedüst ist hierbei eindeutig der richtige Ausdruck, denn sowohl für Hin- als auch für Rückweg habe ich ziemlich genau je 20 Minuten gebraucht - und dabei gab es reichlich Standzeiten an roten Ampeln.

Auch interessant ist, dass beide Strecken ziemlich exakt sieben Kilometer lang sind. Ich hätte gewettet, dass insbesondere der Rückweg über die Hammer Straße länger wäre. Aus der Richtung kommend ist das in jedem Fall praktischer zu fahren.

Wer Kopfrechnen kann weiß jetzt schon: meine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 21 Stundenkilometer.

Auf dem Rückweg habe ich auf der Gasselstiege übrigens ein rotes Taga überholt. Auch das erste mal, dass ich eins in freier Wildbahn gesehen habe, hatte kurz überlegt, anzuhalten, mich als Bakfietsblogger zu outen und ein paar Fragen zu stellen, aber dann habe ich mich doch dem Temporausch hingegeben.

Donnerstag, 10. Mai 2012

In eigener Sache: Bakfietsblog, oh yeah!

Im März dieses Jahres habe ich das Thema Bakfiets aus meinem "Rundum"-Blog ausgegliedert, weil ich auf die Anschaffung eines neuen Rades - dem Urban Arrow - zusteuerte und die Artikel zu diesem Thema sich einer überdurchschnittlichen Beliebtheit erfreuten. Da erschien es mir logisch, diesen Schritt zu gehen. Mit der eigenen Domain www.bakfietsblog.de wurde das Paket dann noch plakativer verpackt.

Mittlerweile tummeln sich wirklich viele Leser auf diesen Seiten - immer vorausgesetzt, Google belügt mich nicht mit den Statistiken, die Suchbegriffe, über die das Blog erreicht wird, zeigen, dass die Leute hier nicht nur Informationen zum Gazelle Cabby oder anderen Lastenrädern suchen, sondern auch ganz gezielt auf der Suche "bakfietsblog" sind. Ein Indiz dafür, dass auch die Aufkleber auf meinem Urban Arrow Beachtung finden.

Da ich in der Werbung arbeite und und um die üblichen Konvertierungsraten solcher Projekte weiß, bin ich begeistert, dass ich wöchentlich Mails bekomme, in denen Fragen gestellt werden. Es freut mich immer, wenn ich weiterhelfen kann.

Gerne würde ich auch mehr über euch erfahren: wenn ihr schon Bakfiets fahrt, oder es vorhabt, schreibt mir davon. Am besten schickt ihr gleich Fotos eures Rades und einen Erfahrungsbericht mit, damit wir das unter dem Punkt "Kindertransporträder" sammeln können und so ein richtiges Archiv entstehen kann - denn irgendwann einmal soll das Bakfietsblog nicht nur der Ort sein, an dem ich über meine eigenen Ausfahrten berichte, sondern eine Anlaufstelle für alle Bakfiets-Interessierten mit hilfreichen Infos und Fakten.

Wem derweil der Sinn danach steht, seine Begeisterung auch auf der Brust zu tragen: Spreadshirt bietet im Monat Mai 15% Rabatt auf Kinderkleidung mit dem Gutscheincode "DREIKAESEHOCH". Wie es der Zufall so will, habe ich "Long John" und "Tricycle" im Angebot, aus organischer Baumwolle. Öko, wem Öko gebührt! 

Dienstag, 8. Mai 2012

Bad Vibrations

Seit einem Monat fahre ich jetzt Urban Arrow. Und ich bin begeistert.

Allerdings habe ich nach wie vor das Problem, dass bei hohen Geschwindigkeiten - und mit dem Elektromotor fährt man unweigerlich auch mal etwas schneller - das Vorderrad in Wallung kommt und zu vibrieren beginnt.

Verschiedenste Dinge habe ich daraufhin in Rücksprache mit dem Hersteller ausprobiert, vielversprechende Ansätze waren darunter, es gelang sogar, ein minimales Spiel in der Gabel des Vorderrades zu beseitigen, was die sehr gute Straßenlage des Rades nochmals verbesserte. Bei dieser Korrektur hatte ich die Box des Urban Arrow abgenommen, was durch Zufall auch noch dazu führte, dass das Rad bei Nässe nicht mehr quietschte - offenbar stand die Kunststoffbox vor der Demontage irgendwie unter Spannung, so dass sie bei Nässe gegen den Alurahmen rieb und quietschte.

Die Vibration im Vorderrad jedoch blieb.

Je stärker die Beladung der Box ist, desto höher ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass die Vibrationen ausbleiben. Transportiert man zum Beispiel eine Kiste Wasser, tritt das Problem nahezu gar nicht mehr auf.

Heute hatte ich ein interessantes Telefonat. Demnach ist das Problem kein Einzelfall und vermutlich auch nicht ohne weiteres zu beheben. Ich bin gespannt, wie es in dieser Sache weitergeht und welche Lösung am Ende gefunden wird.

Trotz dieses kleinen Wehwehchens stelle ich fest, dass ich mein normales Fahrrad - ein Kettler Alu Rad - kaum noch fahren mag. Natürlich fehlt hier die elektrische Unterstützung, aber auch in Sachen Sitzposition, Fahrkomfort, Verarbeitung, ist das Rad dem Urban Arrow meilenweit unterlegen.

Ich fahre fast ausschließlich mit dem Urban Arrow zur Arbeit (währenddessen parkt es dann gut sichtbar in der Innenstadt - hallo, Sponsoren?), und wenn ich dann mal alle paar Wochen doch wieder auf mein altes, normales Rad steige, wie zum Beispiel gestern Abend auf dem Weg zum Elternabend, halte ich es kaum aus. Vielleicht heißt es schon bald: Kettler Alu Rad, silber, zu verkaufen. Möchte wer?

Freitag, 27. April 2012

Me and my bike

So isses.



(Mein Urban Arrow braucht allerdings doch Electricity. Aber es tankt Ökostrom, Ehrensache.)

Mittwoch, 25. April 2012

Ein Ratschlag

In den letzten Tagen stand ich in intensivem Kontakt zu Urban Arrow, um ein paar Kleinigkeiten, die mir am fabrikfrischen Rad noch aufgefallen waren, zu klären und aus der Welt zu schaffen.

Dazu gehörte unter anderem eine starke Vibration im Vorderrad bei Geschwindigkeiten jenseits der 30 Stundenkilometer. Nach ein paar verschiedenen Ideen wurde ich gebeten, zu prüfen, ob Spiel in der Frontgabel sei.

Und tatsächlich, mit dem bloßen Auge nicht zu sehen, aber doch zu fühlen, konnte ich die Gabel minimal vor und zurück bewegen.

Ich hatte bereits darauf hingewiesen: ich bin kein Mechaniker. Ich bin nicht unbedingt unbegabt, glaube ich, aber mir fehlt die Geduld: wenn etwas nicht sofort gelingt, laufe ich Gefahr, den Prozess unbeendet zu lassen oder in den folgenden, hastig ergriffenen Maßnahmen Dinge zu zerstören.

Also wollte ich diese kleine Korrektur gerne vom Fachmann vornehmen lassen und hielt dazu bei einem Fahrradhändler ganz in der Nähe, dessen Name mit dem Titel dieses Eintrags zu tun hat.

Ich erklärte das Problem und bat um Hilfe. Aber man wies mich ab, das könne man nicht machen, ich könne das Rad höchstens da lassen oder einen Termin machen.

Wieder zuhause traf ich im Fahrradkeller meinen Nachbarn Kai, der an einem Fahrrad schraubte. Ich bat ihn um Mithilfe und gemeinsam lösten wir das Problem in 30 Sekunden und einer halben Umdrehung des Schraubenziehers.

Nicht mal 30 Sekunden Zeit für einen Kunden?

Ich weiß schon, warum ich im Normalfall bei auf der Hammer Straße reparieren lasse...

Nebenbei bin ich nun schon halb-diplomierter Urban Arrow-Demonteur. Wer sich fragt, ob es einfach ist, die Transportbox abzuschrauben: ja, ist es. Sechs Schrauben lösen, den Alu-Rahmen abnehmen und bei hochgeklappter Sitzbank (Pro-Tipp von @UrbanArrowCom ;) ) die Kiste nach oben abziehen.

Ohne Kiste ähnelt das Urban Arrow dann im Vorbau ein wenig dem Bullit von Larry vs. Harry. Der Aluminium-Rahmen hält unter der Box versteckt noch einige Gewinde bereit, vermutlich für die Montage der Kiste in der Bakkersfiets-Version - wer sich also einen komplett eigenen Aufbau basteln will, findet hier reichlich Möglichkeit zur Befestigung.

Leider habe ich keine Fotos von der Montage gemacht, es regnete und ich wollte einfach nur schnell fertig werden.

Dienstag, 17. April 2012

Physiker gefragt - Stromkreis am Fahrrad

Nur kurz: bei der Verkabelung des Rücklichts am Urban Arrow gab es ein Problem. Der Mechaniker meines Vertrauens stellte fest: nur ein Pol des - in diesem Fall leider - exzellent durch Rahmen und Kabelkanal verlegten Kabels zur Leuchte ist durchgängig.

Dunkel erinnerte ich mich, dass früher häufig einfach ein Pol - die Masse - der Fahrradleuchten an den Rahmen gelegt wurde. Das machten wir also auch an der Rückleuchte und ... das Licht leuchtete auf.

Ich verstehe nur nicht ganz, warum das eigentlich funktioniert: ein geschlossener Stromkreislauf kommt so doch gar nicht zu stande. Der Nabendynamo sitzt auf dem Vorderrad und sowohl Phase als auch Masse werden als Kabel zum Vorderlicht geführt.

Haben Nabendynamos also immer noch einen weiteren Kontakt zum Rahmen? Und warum funktioniert das dann trotzdem, obwohl der ganze Rahmen lackiert ist?

Ich denke, ich werde wohl Physik Physik sein lassen, solange beide Lampen leuchten, kann mir das funktionieren von Naturgesetzen aller Art ja eigentlich egal sein...

Montag, 16. April 2012

Säugling und Kleinkind im Urban Arrow - Maxi Cosi Adapter im Eigenbau

Im Moment fahren wir Gazelle Cabby und Urban Arrow. Warum? Hauptsächlich, weil in der Box des Cabby eine sehr gute Halterung für die Maxi Cosi Babyschale ist. Aber das Urban Arrow ist die bessere Bakfiets von beiden, das steht außer Frage.

Daher wollte ich Abhilfe schaffen, aber auf den vom Hersteller angebotenen BabyMee verzichten - teils aufgrund des Preises, teils, weil er sich nach meiner Kenntnis nur mit Baby in Fahrtrichtung sitzend montieren lässt. Wenn ihr mich fragt: doofe Idee. Baby will doch Papa (oder Mama) sehen beim Fahren.

Man nehme: zwei extra große Regalwinkel aus dem Baumarkt, dazu ein paar Schrauben und Unterlegscheiben.

Mit letzteren montiere man die Winkel mittig nebeneinander auf dem Fußboden der Transportbox, da dieser ein Lochblech ist, geht das sogar für einen ambitionierten Hobby-Bastler wie mich sehr einfach.

Das ganze sieht dann so aus:

Zwei Winkel. Auf dem Boden.
Dadurch reduziert sich natürlich die Zuladung ein wenig. Zwei Wasserkisten fahren jetzt nicht mehr so eben mit, aber wo gehobelt wird, da fallen Späne.

Setzt man einen Maxi Cosi Cabrio Fix drauf, sieht das ganze so aus:

Maxi Cosi drauf
Man könnte den Maxi Cosi jetzt noch mit einem Spanngurt an den Winkeln befestigen, damit er nicht nach oben abfällt. Aber ganz ehrlich: Cross Country Fahrten sollte man mit Säugling an Bord eh nicht machen.

Noch was: diese Lösung ist natürlich nicht gefedert. Aber da das Urban Arrow auf Ballonreifen fährt, ist diese Lösung wahrscheinlich immer noch besser gefedert, als jede andere Halterung (völlig ungeprüfte Behauptung).

Das Dach geht auch noch zu. Perfekt. Sollte reichen, bis in ein paar Monaten der kleine auch auf der Sitzbank Platz nimmt.

Mittwoch, 11. April 2012

Eine Woche Urban Arrow: Kritikpunkte

Und da ist mein Urban Arrow auch schon eine Woche alt. Ein umfassender Artikel schlummert bereits in den Entwürfen, bis zur Veröffentlichung werde ich aber noch ein bisschen warten um hier und da noch mehr Erfahrungswerte einfließen zu lassen.

An dieser Stelle möchte ich ein paar Kleinigkeiten auflisten, die mir bislang negativ aufgefallen sind. Ich kann schließlich nicht nur die ganze Zeit Superlative raushauen.

Bei meinem Rad ist die Verkabelung des Rücklichts defekt. Das ist ärgerlich, da die Verkabelung größtenteils im Rahmen bzw. in einem Kabelkanal zusammen mit dem vorderen Bremszug liegt. Um ein neues Kabel einzuziehen, müsste man das Rad wohl komplett auseinander nehmen, was in keinem Verhältnis zum Problem steht.

Der Mechaniker meines Vertrauens hat das Kabel durchgemessen und festgestellt, dass nur ein Pol nicht durchgängig ist. Daraufhin konnten wir am Rücklicht die Masse an den Rahmen legen und die LEDs so zum Leuchten bringen. Dummerweise brach bei der auf kleinstem Raum verbauten Vorderlampe bei der Montage ein Steckkontakt ab, so dass das Rücklicht vorerst trotzdem ohne Strom bleiben muss. Abwarten, wie ich dieses Problem löse: ein entscheidender Nachteil, wenn man nicht beim Händler vor Ort kauft...

Darüber hinaus musste ich bislang schon einige Schrauben nachziehen: der Lenker ließ sich stärker einschlagen, als das Vorderrad, der Sattel hat sich lose gewackelt, das Rücklicht und die Schutzbleche habe ich fester angezogen.

Bei der Montage neuer Autoreifen heißt es, man solle nach den ersten 50 Kilometern die Schrauben nochmal nachziehen. Gut möglich, dass Vergleichbares auch für ein frisch montiertes Rad gilt.

Ich bin kein Brancheninsider und habe keine Kenntnis von den Prozessen, die hinter der Montage eines Rades im Allgemeinen sowie des Urban Arrow im Speziellen stecken. Dennoch beschleicht mich der Verdacht, dass die Räder aufgrund der - nach Bekunden meines Händlers - im Moment hohen Nachfrage vielleicht ein wenig hastig montiert werden?

Ansonsten ist mir auf den ersten 100 Kilometern aufgefallen, dass sich das Rad beladen tatsächlich noch besser fährt, als mit leerer Transportbox. Dank der elektrischen Unterstützung erreicht das Urban Arrow mühelos Geschwindigkeiten um die 25 Stundenkilometer, fährt man noch schneller, beginnt das Vorderrad bei rauherem Untergrund zu flattern. Mein Nachbar berichtete mir von ähnlichem Verhalten beim Long Harry.

Ist die Box mit Kind und Kegel beladen, relativiert sich das Problem nahezu komplett. Einzig das vordere Schutzblech rappelt bei hohen Geschwindigkeiten mehr, als es sollte - aber im Moment fahre ich das Rad zugegeben auch noch deutlich schneller, als ich das im "Regelbetrieb" tun würde. Es ist halt noch neu und will ausprobiert werden.

Dies als kurzer Überblick. Sobald ich Feedback vom Hersteller/Händler zu den Problemen mit Beleuchtung und lockeren Schrauben habe, werde ich das hier dokumentieren und mich auch wieder einer viel schöneren Beschäftigung widmen: dem Schwärmen ;)

Donnerstag, 5. April 2012

Sagitta Urbana Pervenit

Mein langjähriger Lateinlehrer würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, dass ich den Titel dieses Eintrags mit Google übersetzt habe, aber er ist vermutlich noch gar nicht tot, sondern höchstens in Rente.

Inhaltlich wird ein Schuh draus, und wer meine Tweets in den letzten 24 Stunden verfolgt hat, der wird es vermutlich schon geahnt haben oder gar wissen: mein Urban Arrow ist angekommen!

Der erste Eindruck ist umfassend großartig. Und da bin ich auch ein wenig erleichtert, denn nachdem ich die Bestellung getätigt hatte und die Wochen vergingen, schwand meine Erinnerung an die erste Testfahrt in Bergkamen, das Wetter wurde großartig und auch die Ausfahrten mit dem Cabby machten immer mehr Spaß, so dass ich mich fragte: schicke ich das Gazelle zurecht in Rente?

Ja!

Heute morgen bin ich eine Runde durch's Düesberg-Viertel gefahren - eigentlich auf dem Weg in die KiTa, die aber geschlossen hatte, was ich mir falsch notiert hatte - und konnte so auch die Fahreigenschaften mit Kind an Bord eingehender bewerten, insbesondere auf dem Weg wieder unter der Unterführung der Bahnstrecke hinaus - richtige Berge haben wir hier ja nicht.

Die stufenlose NuVinci Nabe, bei meiner ersten, kurzen Probefahrt noch eher verwirrend, macht, wenn man sich daran gewöhnt hat, richtig Spaß. Man kann quasi bei konstanter Pedaldrehzahl aus dem Stand bis zur Höchstgewschindigkeit beschleunigen, in dem man den Griff langsam und stetig weiter dreht. Fühlt sich ein bisschen an, wie ein Automatikgetriebe fahren.

Die Beleuchtung ist spitze - Standlicht vorn und hinten - und die Leuchten sind dabei so klein, dass man auf den ersten Blick denkt, das Fahrrad habe gar keine Beleuchtung. Der Prototyp, dessen Bilder man immer noch hier und da im Netz findet, hatte ja doppelte Scheinwerfer vorn im Rahmen der Transportbox. Ein Feature, das vermutlich den Regulierungen der Straßenverkehrsordnung zum Opfer gefallen sein dürfte: einspuriges Fahrzeug, also bitte auch "einspurige" Beleuchtung.

Der Motor unterstützt schon in der leichtesten Fahrstufe nahezu konstant und sorgt dafür, dass es sich anfühlt, als führe man mit stetigem Rückenwind.

Das Regendach macht einen soliden Eindruck und ragt höher als der Lenker hinaus, so dass auch der Fahrer ein wenig Windschatten abbekommt.

Dieser Artikel möchte sich noch nicht als Test verstanden wissen - dazu bin ich gerade einfach zu begeistert und überwältigt. Für einen belastbaren Bericht sollten vorher noch ein paar Tage ins Land gehen. Zeit, in denen ich auch noch eine Maxi Cosi Halterung sowie die Beschriftung für den Rahmen zu basteln habe. bakfietsblog.de will schließlich beworben werden.

Auf dem Weg zur Arbeit setzte sich auf der Hammer Straße ein junger Mann mit Trekkingbike vor sich. Man sah ihm an: er hat es eilig. Er hob sein Gesäß ein wenig aus dem Sattel und gab Gummi, sauste Richtung Innenstadt.

Ich blieb hinter ihm, bis nach der Ecke Tom-Rink-Straße der Radweg breiter wurde, verschob die Übersetzung ein wenig und zog an ihm vorbei. Locker flockig.

(Ach ja: wenn man den Motor aus lässt, fährt es sich auch ganz gut.)

Freitag, 23. März 2012

Zeigt her eure Bakfiets

Ich würde den Bereich, den ich vorläufig mal "Katalog" genannt habe, gerne mit Fotos und Erfahrungsberichten füllen.

Bis jetzt finden sich ja schon einige Räder in der Liste, grob sortiert nach der Anzahl der Räder sowie nach persönlicher Bekanntheit: Bakfietsen, die mir schon mal live begegnet sind, stehen Gefährten gegenüber, die ich bislang (leider) nur online recherchieren konnte.

Welche Bakfiets ihr auch immer fahrt: mich interessieren eure Fotos und eure Erfahrungen! Wenn ihr wollt, gerne her damit, dann stelle ich sie in diesem Blog online. Per Mail an meinebakfiets@bakfietsblog.de zum Beispiel.

Was bleibt mir jetzt noch, außer ein schönes Wochenende zu wünschen. Das Wetter schreit förmlich nach Ausfahrten. Go go go!

Dienstag, 13. März 2012

Knipperdolling

Nach einem glücklicherweise folgenlosen Unfall mit dem Cabby bei Glatteis im Februar wurde ein Nachteil deutlich sichtbar, den die Bakfietsen vom Typ Long John gegenüber den Dreirädern haben: sie können umfallen.

Zwar sitzt der Nachwuchs in der Kiste eines Transportrades deutlich sicherer als beispielsweise in einem Kindersitz auf dem Gepäckträger - allein schon durch die deutlich niedrigere Position, dennoch ist auch ein Sturz mit der Bakfiets keine schöne Sache.

Da ich aber ziemlich stur darauf bestehe, dass zwei Räder besser sind als drei, phantasierte ich in letzter Zeit über eine Mischung aus beidem: ein Dreirad für die Stabilität mit sehr schmaler Fahrspur und gelenkten Rädern für die Mobilität.

Fangen wir von hinten an und nehmen wir der Einfachheit halber eine normale Bakfiets vom Typ Long John.

Die Sitzposition empfinden wir dem klassischen Hollandrad nach, bequem und aufrecht.

Die Box gestalten wir breit genug für drei Kinder nebeneinander, und jetzt kommt der Clou: nach vorn bleibt die Box offen, davor laufen zwei gelenkte 20 Zoll Räder, die seitlich bündig mit der Box abschließen. Die Lenkung ist - um mal in den Stadtbusjargon zu wechseln - niederflurig verlegt, so dass man über sie hinweg zwischen den Rädern hindurch wie über eine Treppenstufe in die Box klettern kann.

Voilà: der Knipperdolling. Eine Bakfiets aus Münster.

Sind zufällig technische Zeichner und Ingenieure unter den Lesern, die Lust haben, diese fixe Idee etwas weiter voran zu treiben und zu visualisieren? Ich habe das mal selbst probiert, aber *hust* - das wollt ihr nicht sehen!

Montag, 5. März 2012

Überlegungen

Am vergangenen Freitag konnte ich den Urban Arrow Probe fahren. Ermöglicht hat’s das Internet, die alte Sau. Denn: Patrick war bei der Suche nach “Urban Arrow” auf meinen Blog gestoßen und hatte sich über die Kommentare mit mir in Verbindung gesetzt. Er hat es – im Gegensatz zu mir – gewagt, die Katze im Sack zu kaufen und das Rad einfach bestellt.

Am Sonntag zuvor hatte er es geliefert bekommen, und nur fünf Tage später schon durfte ich einen Blick darauf werfen. Und plage mich seither mit dem Gedanken, ob ich auch eins haben will, oder nicht.

Das ist nicht ganz richtig. Ich plage mich mit dem Gedanken, ob ich ein Urban Arrow kaufen soll. Haben will ich ihn sowieso.

Urban Arrow
Bislang fahren wir Gazelle Cabby. Daher bin ich zumindest generell mit dem Bakfiets vom Typ Long John vertraut. Aber da hört die Möglichkeit, Vergleiche zu ziehen, auch schon auf.

Sehr wichtig ist mir der Fahrkomfort. Ich möchte nicht wie der Affe auf dem Schleifstein im Sattel hängen, wie ich mir das zum Beispiel beim Bullit Lastenrad vorstellen würde. Ich möchte wie auf einem guten Hollandrad bequem und aufrecht sitzen und elegant durch die Landschaft rollen.

Das ist mit dem Urban Arrow auf jeden Fall gewährleistet. Sattelstütze und Lenkstange stehen geneigt, ich kann bequem platz nehmen und fahren.

Das Urban Arrow hat vorn und hinten Balloon Tyres von Schwalbe. Erst vor ein paar Tagen habe ich gelernt, dass es dabei nicht nur um die Optik geht, sondern auch um den Fahrkomfort – diese Reifen haben einen deutlich niedrigeren Druck als normale Fahrradreifen und federn so Stöße ab – effizienter tut dies nur eine mechanische Vollfederung des Rades, was bei der Rahmenform des Urban Arrow aber kaum in Frage kommt.

Insgesamt ist das Rad hochwertig verarbeitet. Das muss es auch sein, denn ein Alu-Rahmen stellt höhere Ansprüche an den Schweißer als eine Stahlrohrkonstruktion. Sämtliche Züge führen in die Lenksäule und laufen von dort im Rahmen weiter, ein sehr edles Detail, zumal die Schaltung an diesem Rad zwei Drähte hat, dazu gleich mehr.

Aufgrund des verwendeten Aluminiums ist der Rahmen des Urban Arrow sehr steif, dadurch hatte ich im direkten Vergleich zum Cabby – trotz der Balloon Tyres – das Gefühl, es läge härter auf der Straße. Allerdings bin ich bei meiner kurzen Testrunde auch fast durchgängig jenseits der 20 Stundenkilometer gefahren, eine Geschwindigkeit, die man auf dem Cabby allemal mit Rückenwind oder bergab erreicht, ohne sich total abzustrampeln.

Geschaltet wird über die NuVinci 360 Nabe, eine vollkommen stufenlose Schaltung. Es stimmt zwar, dass diese Nabe die einzige Schaltung überhaupt ist, die wirklich und wahrhaftig bedenkenlos unter Last geschaltet werden darf, allerdings ist das Schalten, oder sagen wir besser Einstellen, da es ja keine festen Gang-Abstufungen gibt, ohne Last deutlich leichter, als beim Treten. Davon abgesehen fühlt sich das Getriebe beim Fahren ganz normal an. Die Berichte, beim Anfahren würde die Kraftübertragung zunächst ein bisschen “schwimmen”, kann ich nicht bestätigen.

Die Box des Urban Arrow ist im Vergleich zum Cabby höher und schmaler. Vermutlich ist sie auch etwas länger, da ich ein Foto des Urban Arrow neben einem Bakfiets.nl CargoBike long kenne, aber dazu habe ich keine exakten Daten. Mein größter Kritikpunkt ist im Moment die Unterbringung eines Maxi Cosi in der Box, die gefederte Aufhängung im Cabby gefällt mir sehr gut, ich weiß allerdings noch nicht exakt, wie die Babyschale im Urban Arrow untergebracht wird. Der Händler aus Bussum hat eine ganz interessante Variante Marke Eigenbau im Angebot, allerdings würde ich die auch noch selbst hinbekommen, notfalls mit Hilfe von 123rad.

Der Motor sitzt beim Urban Arrow im Kettenkasten und wirkt auf die Pedale. Durch einen Drehmomentsensor gibt der Motor nahezu im gleichen Augenblick Unterstützung, in dem man in die Pedale tritt, anders als bei herkömmlicher Pedelec-Sensorik, die erst ein oder zwei Pedalumdrehungen verzögert reagiert.

Das ist das absolute Plus des Urban Arrow und macht es zu einer Rakete. Schon das Anfahren aus dem Stand geschieht in der niedrigsten Unterstützungsstufe überraschend schnell, hier ist der Punkt erreicht, wo jeder Vergleich mit anderen Rädern ins leere läuft.

Noch ein kleiner Vorteil: herkömmliche Pedelecs brauchen zur Sicherheit einen zusätzlichen Sensor an den Bremsen, damit der Motor nicht noch weiter zieht, wenn man eigentlich anhalten will. Beim Urban Arrow ist das nicht nötig, da der Motor immer genau Bescheid weiß, ob er ziehen muss oder nicht.

Bei meiner kleinen Testrunde begleitete mich Patrick auf einem normalen Pedelec, und auf einem Teilstück fuhr ich auf dem Radweg, er auf der Straße. Ein Auto hupte ihn beiseite, was er allerdings nicht wirklich einsehen wollte: wir befanden uns in einer 30-Zone und sein Tacho zeigte 33. Ich fuhr ziemlich unangestrengt mit. Auf Stufe 1 von 3.

Es könnte also sein, dass Urban Arrow fahren Stress bedeutet. Denn auf dem Weg die Hammer Straße stadteinwärts muss ich schon jetzt so manchen Radfahrer beiseite klingeln. Ich gehöre zu den Menschen, die das Rad benutzen, um schnell von A nach B zu kommen, nicht zu denen, die innerstädtisch radwandern. Zudem rechnet kaum jemand mit einem Lastenrad mit 30 Sachen auf dem Radweg.

Fassen wir kurz zusammen, was sich nicht zusammen fassen lässt. Ich finde das Urban Arrow nach wie vor unheimlich geil. Ich will es haben, wie ich damals ein iPhone haben wollte (und dann auch noch der Rahmen in weiß…). Doch im Moment schlage ich noch nicht zu, da mich verschiedene Punkte, hauptsächlich die ungeklärte Frage rund um den Maxi Cosi, noch davon abhalten. Allerdings hält mich das nicht davon ab, intensiv zu versuchen, diese Wissenslücken und Probleme auszuräumen, und dann, und dann … sieht’s eventuell schlecht aus für mein Sparkonto.

Vielleicht sollte ich die nächste Stunde nutzen, um einen Formbrief für eventuelle Sponsoren zu gestalten. Ihr erinnert euch, ich hatte den Plan, auf den Seitenflächen der Box Werbung zu platzieren? Die Stadtwerke haben mir ja abgesagt, was schade ist, da ich ein “Ich fahre mit Ökostrom” auf der Bakfiets am passendsten gefunden hätte, aber auch jede andere Marke oder Firma mit der gewissen Relation, also zum Beispiel einem Bio-Supermarkt oder ähnliches, wäre mir recht.

In der Folge habe ich dann eventuell im Sommer auch ein Gazelle Cabby zu verkaufen, top in Schuss und ab übermorgen auch offiziell generalüberholt.

Weitere Verkäufe im Rahmen eines Finanzierungsplans sind nicht auszuschließen. Jemand Interesse an einer AR.Drone?

(PS: die “Fakten”, die ich zur Verarbeitung und dergleichen anführe, leite ich aus allem, was ich weiß, und meiner eigenen Logik ab. Ich bin allerdings kein Ingenieur. Sollte ich grobe Fehler oder Unwahrheiten eingebaut haben, gerne in meinem eigenen Interesse mit mir schimpfen. Dazu sind die Kommentare da.)

Gazelle Cabby - Dreijahrestest

Vorhin bin ich im Netz über einen Test des Gazelle Cabby gestolpert. Ich habe ihn nur überflogen, aber was mir schnell auffiel war: wenn jemand was zum Gazelle Cabby sagen kann, dann wohl ich. Schließlich fahre ich das Lastenrad seit über drei Jahren.

Das Gazelle Cabby ist ein Lastenrad vom Typ Long John, das heißt, es hat zwei Räder wie ein normales Fahrrad, nur ist das Vorderrad kleiner und nach vorn versetzt, zwischen Lenksäule und Vorderrad befindet sich eine tiefliegende Ladefläche, die je nach Nutzungsart verschieden gestaltet sein kann, in unserem Fall mit einer Box mit Sitzbank für den Kindertransport.

Ich habe mal ein Gerücht gehört, nachdem der niederländische Kronprinz Willem-Alexander seine Kinder in einer Bakfiets spazieren fuhr und damit deren Siegeszug – also den der Bakfiets, nicht seiner Kinder – in den Niederlanden einläutete. Das kann ich nicht überprüfen, verbreite es aber selbst gern weiter. Zumal es im Web tatsächlich Fotos des Prinzen auf einer Bakfiets gibt.

Das Cabby fährt sich hervorragend. Trotz des hohen Leergewichts von rund 38 Kilo macht es mir deutlich mehr Spaß, damit zu fahren, als mit meinem Kettler City-Bike. Das Cabby bietet den gewohnten Hollandrad-Komfort und die 7-Gang-Nabenschaltung ist sicher auch nicht fehl am Platz. 

An die nach vorn versetzte Lenkung hat man sich schnell gewöhnt. Sogar noch schneller, als ihr jetzt denkt. Über die Jahre haben mehrfach Passanten im Park oder sonstwo unterwegs gefragt, ob sie mal aufsteigen dürften, meist ungläubig, dass man mit dem Cabby überhaupt fahren könne, aber keiner von ihnen ist umgefallen.

Die Lenkbewegung wird durch eine Stange unterhalb der Transportkiste vom Lenker auf das Vorderrad übertragen. Die Stange schwingt dabei frei auf zwei Kugelkopfgelenken, was zu einem kleinen Problem führt: bei starken Lenkbewegungen schlenkert die Stange so stark, dass sie an den Rahmen stößt. An dieser Kontaktstelle kommt es schnell zu Lackschäden und in der Folge zu Rost. Allerdings ein oberflächliches Problem. Ich habe es gelöst, indem ich die entsprechende Stelle an der Lenkstange dick mit Gaffa-Tape umwickelt habe, um die Stöße abzufedern.

Bei der Transportkiste erntet das Cabby von mir ein dickes Plus, da diese mit ein paar netten Gimmicks aufwartet. Sie kann mit ein paar Handgriffen zusammengeklappt werden – so könnte man das Cabby auch durch eine enge Gartenpforte zum Parken schieben. Freilich sollten die Fahrgäste vorher ausgestiegen sein.

Darüber hinaus kann man die Kiste auch ganz abnehmen, dazu löst man einfach einen Schnellspanner an der Lenksäule und zieht die Box zu sich heran, so dass die Verbindung vom Rahmen, wo sie mit zwei Bolzen einrastet, gelöst wird. Zum Diebstahlschutz ist der Schnellspanner mit einem niedlichen Vorhängeschloss gesichert, welches von der Größe her eher an ein Poesie-Album passt und das bei mir ziemlich schnell verrostet war. Ich rechne allerdings auch nicht damit, dass jemand auch die Idee kommt, die Kiste zu klauen. Wer das Rad nicht kennt weiß eh nicht, dass die Box abnehmbar ist.

Die Kiste besteht aus einem Stahlrohrrahmen, der mit LKW-Plane bespannt ist. Das vermeidet ein paar unnötige Kilos gegenüber der Konkurrenz mit MDF-Platten und ist sicher schöner, als eine Plastikbox.

Für die Fahrt bei schlechtem Wetter gibt es ein optionales Regenzelt, das über zwei Zeltstangen, die an den Seiten der Box eingesteckt werden, gespannt ist. An den Zeltstangen sorgen im Auslieferungszustand kleine Stifte dafür, dass diese nicht tiefer als nötig in die Verankerung rutschen. Diese Stifte waren schon nach kurzer Zeit durchgescheuert, nach den Reaktionen auf einen Blogeintrag zu diesem Thema muss ich annehmen, dass das bei sämtlichen Cabbies der Fall ist und damit ein Konstruktionsfehler. Ich weiß nicht, ob bei den neueren Modellen das Problem gelöst ist, ich habe mir Abhilfe geschaffen, indem ich Schlauchschellen um die Stangen gesetzt habe und so das durchrutschen verhindere.

Das Dach selbst kommt in zwei Varianten, wobei eins von beiden eine Auswuchtung hat, damit ein in hoher Position montierter Maxi Cosi darunter Platz findet. Die Verarbeitung ist gut und das Dach hält dicht. Nach drei Jahren, in denen das Dach zwischen Herbst und Frühling im Dauereinsatz und das Rad durchweg draußen war, ist es immer noch gut in Schuss.

Der Frost hat dem Dach zuletzt allerdings arg zugesetzt, die durchsichtige Folie wird bei niedrigen Temperaturen schnell hart und ist tatsächlich an einer Stelle brüchig geworden. Ich würde allerdings sagen, dass diese Abnutzung nach drei Jahren draußen stehen bei Wind und Wetter hinnehmbar ist. 

Auf der Bank ist Platz für zwei Kinder, zum Anschnallen gibt es drei Paar Y-Gurte. Man kriegt zwar auch drei (zierliche) Kinder nebeneinander auf die Bank gequetscht, aber der dritte Gurt ist in Wirklichkeit dazu da, dass ein Kind alleine mittig angeschnallt werden kann. Meine Freundin legt Wert darauf, weil sie dann leichter fahren kann, ich selbst habe noch keinen Nachteil durch einseitige Beladung bemerken können. Vermutlich begünstigt das aber auch mein stabilisierendes Eigengewicht. *Ähem*

Im Rahmen der Box sind zwei Positionen vorgesehen, an denen eine optional erhältliche Maxi Cosi Halterung montiert werden kann. Die Montage ist etwas knifflig, aber sobald vollzogen außerordentlich praktisch. Bei der tiefen Montage hängt die Babyschale knapp über dem Boden der Transportbox, bei der hohen Montage etwas weiter zum Vorderrad und höher. Wir haben diese Position gewählt, weil so zusätzlich noch Einkäufe unter den Maxi Cosi passen. Die Babyschale selbst wird mit der gleichen Verbindung aufgesteckt, mit der sie auch auf den dazugehörigen Kinderwagen befestigt wird. Beim ersten mal ist auch das ein wenig umständlich, aber mit der Zeit wird der Mechanismus leichtgängiger und die Schale kann im Handumdrehen aufgesteckt werden. Ganz großes Plus hier: die Aufhängung ist beidseitig gefedert.

Über die Gangschaltung des Cabby braucht man nicht viele Worte zu verlieren, da ja heute sowieso fast ausschließlich Shimano Schaltungen verbaut werden, hat man das Gefühl. Sieben Gänge machen definitiv Sinn. Durchdacht ist auch, dass es keine Rücktrittbremse gibt. Das erlaubt es uns nämlich, das parkende Cabby durch Zurechtdrehen der Pedale und beherztes vorwärtstreten von seinem wuchtigen Ständer zu befreien. Gerade bei voller Beladung ist diese Hilfe gern gesehen. Um das beladene Rad auf den Ständer zu ziehen bedarf es dann allerdings ein wenig Kraft. Sobald es steht, steht es stabil.

Statt der Rücktrittbremse gibt es vorn und hinten Rollerbrakes. Die sind zwar unabhängig von jeglicher Witterung und nahezu wartungsfrei, sorgen allerdings auch für einen langen Bremsweg. Ich musste einmal direkt hinter einem Long Harry von Pedalpower bremsen, das mit Scheibenbremsen ausgestattet ist, da wurde der Unterschied extrem deutlich. Voll beladen gehen besser auch mal die Füße auf den Boden, um schnell in den Stand zu kommen. Das könnte und müsste besser sein.

Die Bereifung ab Werk war etwas seltsam mit besonders niedrigem Rollwiderstand. Theoretisch könnte das auf Kosten des Grip gehen, mir ist diesbezüglich aber noch nichts passiert. Nach etwa zwei Jahren waren die Wände des hinteren Mantels durch und der Mantel wurde komplett erneuert. Bei Glättegefahr ist das Cabby, wie jedes andere Zweirad, unter Umständen nicht mehr das richtige Gefährt.

Bei einem angeschnallten Sturz kommt das Kind in der Transportkiste zwar mit dem Schrecken davon, wünschenswert ist das aber natürlich nicht. Gazelle-typisch betreibt der Nabendynamo am Vorderrad nur das Vorderlicht, das Rücklicht läuft mit Batterie. Eigentlich bekäme sowas in Deutschland keine Straßenzulassung, aber es scheint den entsprechenden Behörden dann doch nicht so wichtig zu sein. Im Herbst war das Rücklicht mal durch eingetretenes Wasser kurzgeschlossen und über mehrere Tage ununterbrochen an. Das hat immerhin die vernünftige Laufzeit der Batterie bestätigt.

In den drei Jahren ist das Cabby unser täglicher Begleiter geworden und hat das Auto im Stadtverkehr mühelos ersetzt. Zeitweise sind wir sogar mit Croozer-Anhänger am Cabby gefahren, um die mögliche Zuladung ins unendliche zu steigern. Weihnachtsbäume, Balkonbegrünung inklusive der Blumenerde für acht Kästen, ganze Flohmarktstände, Picknicktisch und vier Klappstühle, nichts, was wir noch nicht transportiert hätten. Die Kinder finden die Fahrt in der – im sommer idealerweise offenen – Transportkiste großartig.

Immer wieder gerne veranstaltet wurden Rundfahrten im Park für die Freunde unseres Sohnes. Im Gegegsatz zum Anhänger reißt die Kommunikation mit den Kindern auch während der Fahrt nicht ab. Wenn der Nachwuchs allerdings anfängt, alles, was an Gepäck neben ihm in der Kiste lagert, während der Fahrt zum fahrenden Elternteil nach oben durchzureichen, empfiehlt sich noch ein Fahrradkorb, damit man die ganzen Geschenke hinter sich verstauen kann .

Soweit zum Cabby. Habe ich alle wichtigen Aspekte beleuchtet? Wenn nicht, stellt gern eure Fragen in den Kommentaren.

Euch hat dieser Artikel gefallen, vielleicht sogar weiter geholfen? Dann würde ich mich sehr über eine kleine Spende für's Bakfietsblog freuen, die es mir ermöglichen soll, auch in Zukunft Fahrräder auszuprobieren, zu Messen zu fahren, und und und ...

Freitag, 2. März 2012

Der Pfeil - persönlich

Urban Arrow
Da steht er also. Es gibt ihn wirklich. Am nördlichen Rand des Ruhrgebiets bot sich mir heute die großartige Gelegenheit, den Urban Arrow persönlich kennen zu lernen, zu bestaunen und auch mal eine Runde Probe zu fahren.

Dafür ein dickes Dankeschön an Patrick, den Besitzer, der mir sein nahezu jungfräuliches Bakfiets anvertraut hat.

Ich muss mir noch eine ganze Menge Gedanken machen, bevor ich was vernünftiges zu dieser Begegnung zu Blog (zu Papier wäre ja falsch) bringen kann. Mehr also schon bald, hier.

Mittwoch, 22. Februar 2012

Urban Audi

Als Artikel zum Thema Bakfietsen noch unter Lubux Lloyd firmierten, hatte Patrick meinen Eintrag kommentiert und nach eifrigem Mailaustausch meine Adresse an einen Händler in Holland weitergeleitet, bei dem er sein Urban Arrow bestellt hat – damit ist er mir derzeit einen Schritt voraus.

Ich hatte zwar zwischenzeitlich auch 123rad aktivieren können, die mir dank nativ niederländisch sprechender Belegschaft den direkten Kontakt hergestellt hatten, dann aber doch Muffensausen bekommen. Soll man wirklich drei Riesen ausgeben für ein Rad, das man noch nicht gefahren ist?

Dann meldete sich der Händler aus der Region Het Gooi bei mir und ich beschloss, ihm ein paar Fragen zu stellen, schließlich hat er schon mehrere Räder dieses Typs verkauft, ist laut eigenem Bekunden der erste Händler in den Niederlanden, der das Urban Arrow im Sortiment hatte und hat auch aktuell ein Vorführmodell im Laden (zwei Stunden Anfahrt, ich fürchte, das muss ich mir die Tage mal geben).

Ich möchte nun aus dem elektronischen Briefwechsel mit Herrn T. zitieren. Da es sich um ein Verkaufsgespräch handelte, denke ich, damit breche ich keinerlei Briefgeheimnisse oder dergleichen.
“Wir verkaufen fast nur noch den Urban Arrow und zwar aus nur einem Grund: das Ding faehrt SUPERGUT. Er ist sehr gut ausbalanciert, bietet eine TOPkwalitaet und sieht verdammt gut aus. Dagegen ist das Sparta E-Kargo ein Schrotthaufen  “
“Vergleichen Sie den Cabby bitte nicht mehr mit dem UA, das ist wie einen Skoda Octavia mit nem Audi A6 zu vergleichen. Prinzipiell koennen beide das Gleiche, aber der A6 kann alles besser, schneller, schoener und langlebiger “
So. Ich komme ja aus der Werbung, gell. Wie ordne ich derlei Äußerungen also ein? Klingt für mich nach ehrlicher Begeisterung. Ich sollte da wirklich mal hinfahren und eine Probefahrt machen. Und eine Pommes essen.

Sonntag, 12. Februar 2012

Wie alles begann

Im Frühjahr 2009 war mein erster Sohn in Vorbereitung, und so machte ich mir Gedanken über unsere zukünftige Mobilität. Ein Auto besaßen wir nicht, was kein größeres Problem darstellte, denn in Münster fährt man traditionell Fahrrad. Mit der Leeze, wie es auf Masematte heißt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich hin und wieder auf dem Weg zur Arbeit ein klassisches Cargobike von bakfiets.nl beobachtet und war sehr angetan von dieser Lösung. Also machte ich einen Händler ausfindig, der diese Räder verkaufte. Ich stieß auf ein Geschäft mit dem für Fahrradläden typischen Namen “Pornographic Fish Wife”.

Der Inhaber vermietete mir sein eigenes Bakfiets über das Osterwochenende, und ich packte mein Patenkind nebst seiner beiden älteren Geschwister für eine Testfahrt ein. Sowohl auf der Langstrecke als auch auf der Kurzstrecke war ich überzeugt, das musste es sein. Es gab auch ein Regendach und eine Halterung, um auch Neugeborene in der Babyschale transportieren zu können: perfekt.

Zwischen mir und dem bakfiets.nl stand allerdings der Preis. Mit Zubehör und einer vernünftigen Ausstattung sollte es damals deutlich über 2000 Euro kosten. Also recherchierte ich und stieß auf das Gazelle Cabby.

Gazelle hatten ihrer Version des Long John ein paar nette Details spendiert, welche die bakfiets.nl Räder daneben nicht nur optisch wie Holzkisten wirken ließen. Zum einen gab es standardmäßig eine 7-Gang-Schaltung, aber vor allem bei der Transportbox gab es einige Vorteile: sie war zusammenklapp- und abnehmbar. Zudem bestand sie aus einem Stahlrohrrahmen, der mit LKW-Plane bespannt war und versprach daher auch ein paar Kilo weniger Gewicht. Und die Halterung für den Maxi Cosi war gefedert aufgehängt und machte insgesamt einen deutlich besseren Eindruck als der Metallrahmen der Konkurrenz.

Außerdem war es nach Listenpreis bereits mehr als 500,- Euro günstiger.

Ich fand auch dieses Rad erstaunlicherweise bei einem Münsteraner Großhändler vorrätig und fuhr es Probe. Das Fahrgefühl war auch hier perfekt, wie man es von einem guten Holland-Rad erwartet.

Ich verglich Preise und fand das Rad bei einem Händler in Holland für 1100 Euro. Ich überschlug Pi mal Daumen, dass es mich etwa 150,- Euro kosten würde, das Rad selber dort abzuholen und ging mit der daraus resultierenden Summe in die Verhandlung mit dem Münsteraner Geschäft.

Offenbar wollte man sich dort eh von dem Rad trennen, es hatte wohl seit der Markteinführung im Sommer 2008 dort gestanden und war zwar allerseits bewundert, jedoch nie gekauft worden. Also ging man ohne zu zögern auf meinen Preis runter, und so begann mein Leben mit der Bakfiets.

Im Jahr 2011 zogen wir in die autofreie Siedlung Weißenburg, eine Nachbarschaft in Münster, in der nicht nur keine Autos fahren, sondern die Menschen auf bewusst keine eigenen Autos besitzen. Es gibt einen Car-Sharing-Pool mit zehn Fahrzeugen und darüber hinaus allerhand Fahrräder, auch Liegeräder und Lastenräder.

Seit Anfang 2012 geht unser großer Sohn in die KiTa, so dass wir täglich zwei Mal die Strecke dorthin und zurück fahren – der Rückweg geht gemeinerweise nahezu ausschließlich bergauf. Da schielen wir doch ein wenig auf unsere Nachbarn, die ihre Tochter in einem elektrisch unterstützten Babboe Big zur KiTa schaukeln.

Und da unser Leben ohne Auto mit dem Umzug in diese schöne Nachbarschaft quasi das Siegel “offiziell” bekam, dachte ich, es wäre doch schön, auch ein Pedelec zu fahren – mit Ökostrom, das ist doch klar.

Allerdings habe ich mich auf den Bautyp “Long John” eingeschossen, die Dreiräder wie eben das Babboe Big und ähnliche bieten zwar noch mehr Platz, sind in der Handhabung aber doch schwerfälliger.

Und so fand ich schließlich das Urban Arrow Bakfiets, und ich möchte es gern haben, also arbeite ich an einem Finanzierungsplan, um nicht ALLES Ersparte auf einen Schlag los zu sein und strecke meine Fühler nach Bezugsquellen aus. Mehr lest ihr dann hier.